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Full text: Die Goldapotheke / Meding, Oskar (Public Domain) Ausgabe 1 Erster Band (Public Domain)

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trug die kurze Wehr, halb Dolch halb Schwert über der linken 
Hüfte, und weiche gelbe Reitstiefel reichten bis gegen das Knie 
über die enganschließenden Beinkleider hinauf. Seine schlanke, 
jugendlich geschmeidige Gestalt war hoch gewachsen, und sein 
von dunkelbraunem natürlich gelocktem Haar umgebenes Gesicht 
war in seinen feinen Zügen und seinen zarten Farben noch 
fast mädchenhaft, während aus seinen dunkelblauen Augen 
männlicher Muth und trotzige Willenskraft hervorblitzten, wenn 
auch meist ein Ausdruck tiefer inniger Empfindung seinen 
Blick weich schimmern ließ. Sein feuriges Pferd edler Race 
war elegant gezäumt, und die ganze Erscheinung und Haltung 
des jungen Reiters zeigte, daß derselbe einem vornehmen 
Hause angehören müsse. Er hielt sein vorwärts strebendes 
Pferd zurück, bis er an den kurfürstlichen Gartenanlagen 
vorüber gekommen war, in deren Alleen Herren und Damen 
vom Hofe auf und nieder gingen, und sprengte dann in kurzem 
Galopp auf der schmalen Straße weiter, welche zu dem kur⸗ 
fürstlichen Thiergarten führte und damals schon mit schönen 
Lindenbäumen bepflanzt war, ohne daß aber ein einziges 
Wohnhaus zu erblicken war auf der Strecke der heutigen 
Straße Unter den Linden, dieser glänzenden Via triumphalis 
der Könige von Preußen und der deutschen Kaiser.
	        
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