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Full text: Aus dem Berliner Rechtsleben (Public Domain)

30 Das Berliner Stadtgericht von 1272 bis 1879. 
errichtet. Ihre Schilderungen zeigen das Stadtgericht als 
ein einheitliches Ganze von sehr starker Eigenart, da fast jeder 
Richter an demselben von seiner Ernennung bis zu seinem 
Tode oder doch bis zum hohen Greisenalter thätig blieb, und 
es treten neben den Vorteilen dieses einheitlichen und dauer- 
haften Gefüges auch manche Nachteile desselben hervor, so 
namentlich ein Überwuchern der Schablone an Stelle des 
Eindringens in die besondere Art des vorliegenden Falles, 
Zum’ Teil erklären sich diese Mängel aber auch durch die 
stetig steigende Arbeitslast, die das Gericht in der immer 
mächtiger sich entwickelnden Hauptstadt zu erledigen hatte. 
IV. Von 1849 bis 1879. 
Die Anderungen in der Gerichtsverfassung im Gefolge 
des Jahres 1848 waren mannigfacher Art; am deutlichsten 
erkennbar waren sie auf dem Gebiete der Strafrechtspflege, 
und mag hier nun die Einführung der Staatsanwaltschaft als 
Anklagebehörde, an die der Geschworenen-Gerichte und an 
die vollständige Durchführung des Grundsatzes der Öffent- 
lichkeit des Verfahrens erinnert werden. Die frühere Ver- 
bindung des Stadtgerichts mit dem Landgerichte in Berlin 
in Strafsachen wurde damals gelöst: das Stadtgericht be- 
nutzte für seine Schwurgerichts-Sitzungen Räume des Lager- 
hauses in der Klosterstrasse, für seine übrige Strafrechts- 
pflege solche in den Gebäuden am Molkenmarkt (2—4). 
Obgleich in der später Gesetz gewordenen Verordnung vom 
2. Januar 1849 jede städtische und jede ‚patrimoniale Ge- 
richtsbarkeit derart aufgehoben war, dass der Staat sie ohne 
Entschädigung an die bisherigen Gerichtsherren oder von 
denselben übernehmen sollte, forderte der Staat doch auf 
Grund des Dezember-Vertrages von 1843 noch einige Male 
den für ihn darin ausgesetzten Beitrag, erhielt ihn auch unter 
Verwahrung von der Stadt gezahlt, und der hieraus sich 
entspinnende Streit wurde erst durch das die Übernahme 
der städtischen Gerichtsbarkeiten allgemein regelnde Gesetz 
vom ı. August 1855 aus der Welt geschafft. Das Stadt- 
gericht war seitdem ein unter einem Präsidenten stehendes 
Untergericht mit Deputationen für Strafsachen, Civilsachen
	        
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