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Vereins-Zeitung des Akademischen Rudervereins zu Berlin. 16. Jahrgang, Berlin März 1919, Nummer 6

Full text: Satzungen des Akademischen Rudervereins zu Berlin (Public Domain)

wärtigen politischen Zustände und die zu erwartenden wirtschaft- 
lichen Schwierigkeiten. werden‘: manche Hemmung für uns im 
Gefolge haben. Man könnte sogar die Frage aufwerfen, ob 
angesichts des noch immer im Fluß befindlichen ungeheuren 
Geschehens es angebracht ist, unsere Vereinsangelegenheiten mit 
derartiger Wichtigkeit zu behandeln. Wir bejahen die Frage 
rückhaltlos. Die Pflege der Leibesübungen ist eine völkische 
Notwendigkeit und gerade der Kopfarbeiter bedarf zur wirklich 
harmonischen Ausbildung der Persönlichkeit eines Gegengewichts 
gegen einseitig geistige Beanspruchung.“ Indem wir unseren 
schönen Sport ausüben und um den weiteren Ausbau des A. R. V. 
bemüht sind, arbeiten wir zu unserem bescheidenen Teile mit 
an einer Aufgabe, die im Leben der Nation eine wichtige Rolle 
spielt. Daß die Ruderei uns Freude macht und der jugendfrische 
Mut, nicht kühle Reflexion über Fragen des Gemeinwohls uns 
immer wieder drängt, die Glieder im Kampf mit Wind und Wellen 
zu regen und im Wettstreit mit den Besten uns zu versuchen; 
daß jeder Einzelne von uns zu seiner eigenen Erholung wander- 
rudert, paddelt, kanusegelt oder mit Badefahrten sich vergnügt; 
daß persönlicher sportlicher Ehrgeiz die Trainingsleute bewegt, 
wenn sie eine wochenlange, mühevolle Vorbereitung für die 
kurzen Minuten eines Rennens auf sich nehmen: all Das hindert 
nicht, daß die Gesamttätigkeit des Vereins durchaus von höherer 
Warte aus angesehen werden darf. Deshalb können wir auch 
in dieser gärenden Zeit getrost unsere Kräfte an die Verfolgung 
unserer ruderischen Ziele setzen.‘ 
Es’wird nicht fehlen, daß wir dabei in vielen Punkten den 
geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung tragen müssen. 
Wir haben vor dem Kriege dank unserer rührigen Kasinover- 
waltung im Bootshaus und auf Touren ein nach heutigen Be- 
griffen schlemmerhaftes Leben führen können. Was damals mit 
geringen Mitteln zu beschaffen war, ist heute unerschwinglich. 
Spartanische Einfachheit wird für das gesellige Leben des A.R V. 
in’ Zukunft den Grundton angeben müssen. Die geänderten 
wirtschaftlichen Verhältnisse werden ferner die Studenten aller 
Semester zu intensiverer Ausnutzung ihrer Arbeitszeit. zwingen. 
Mehr, als es vor dem Kriege nötig war, wird der Betrieb des 
A.R.V. darauf Rücksicht nehmen: müssen, daß die jungen Mit- 
glieder nicht durch Häufung von korporationen und geselligen 
Verpflichtungen in ihrem Studium behindert werden. 
Daß ein diesen Anforderungen entsprechender Ausbau des 
Vereinslebens möglich ist, ohne daß von den uns am Herzen 
liegenden studentisch-korporativen Prinzipien das Mindeste auf- 
gegeben zu werden braucht, hat die Zeit unseres Aufschwungs 
bewiesen. Sie hat gleichzeitig gelehrt, daß für unser sportliches 
Ansehen damit die günstigsten Vorbedingungen gegeben sind.
	        
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