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Erstes Buch. Geschichte der Brandenburgischen (k. preußischen) Societät der Wissenschaften unter Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. (1700-1740) Zweites Capitel. Geschichte der Societät von ihrer Gründung bis zu ihrer wirklichen Einrichtung im Januar 1711

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

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Geschichte der Societät von 1700 - 1711. 
In Wahrheit dauerte es über 10 Jahre bis zur feierlichen Er— 
öffnung. In diesen Jahren bestand sie und bestand nicht)), eine 
schwere Wartezeit für alle Mitglieder, besonders aber für Leibniz. 
Unermüdlich, wahrhaft erfinderisch hat er gearbeitet; aber als er 
endlich durch Ausdauer und Zähigkeit das Ziel erreicht hatte und 
die Societät eingerichtet sah, wurde er bei Seite geschoben. 
Was fehlte, war Geld und wiederum Geld; die Societät 
mußte selbst durch ihre Arbeit verdienen, was sie brauchte. Der 
Hof verschlang Alles. Ein kostspieliges Fest weniger, und der 
Societät wäre geholfen gewesen. Aber die Dinge bewegten sich in 
einem traurigen Zirkel: der Monarch wartete darauf, daß die 
Societät Ansehen und Glanz entfalte — dann wäre er bereit ge⸗ 
wesen, die Wissenschaft zu unterstützen —; wie aber sollte sie zu 
Ansehen kommen ohne Mittel? Das, was das Kalenderwerk ab— 
warf, reichte gerade aus, um ihr nothdürftig das Leben in kümmer⸗ 
lichen Formen zu fristen. Wie sollte sie wissenschaftliche Unter⸗ 
nehmungen ausführen? Die verheißenen Monopole wurden nicht 
eingeführt oder erwiesen sich als unergiebig. Dazu kam der große 
nordische Krieg und der spanische Erbfolgekrieg, die die Arbeit des 
Friedens hemmten. Der letzte Grund des Stillstandes lag noch 
tiefer. „Noch fehlte es an den vornehmsten Grundlagen der Macht 
und des Gedeihens; man hatte noch kein befestigtes politisches 
Dasein.“ 
Mit Leibniz, dem Welfen, wirkten die Jablonski's, die Slaven, 
und Cuneau, der Franzose, muthig und unverdrossen zusammen. 
Diese „Ausländer“, und nur sie, haben die wirkliche Einrichtung 
der Societät durchgesetzt; denn der alte Rabener, der einzige 
Brandenburger unter den Stiftern, starb schon am 29. Januar 1701. 
Aber die drei Fremden arbeiteten mit ganzer Seele für die branden⸗ 
burgische Societät. Nur epochemachende Entdeckungen oder ge— 
haltvolle Untersuchungen vermochten sie nicht vorzulegen, haben 
sie aber auch niemals verheißen. Der einzige Gelehrte von hohem 
Ansehen, der von Anfang an ausschließlich für die Societät thätig 
war und ihr das Brot verdiente, war der Astronom und Kalender⸗ 
macher Gottfried Kirch. Neben ihm mühte sich der wackere Frisch 
ohne Erfolg mit dem Seidenbau im Interesse der Societät ab. 
Die anderen Berliner. die in den ersten zehn Jahren aufge— 
i) Die erste Sitzung wurde am 6. December 1700 gehalten. Bis zum Ende 
des Jahres 1710 haben im Ganzen nicht mehr als etwa 55 Sitzungen stattgefunden—
	        
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