Path:

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

708 Die Akademie Friedrich Wilhelm's IV. (1840 - 1850). 
Kenntniß der Akademie zu bringen, indem Sie zugleich erklärten, 
daß Sie die übrigen Mitglieder der Akademie von dem Vortragen— 
den zu trennen wüßten. Es wurde zugleich bemerkt, daß in der 
Versammlung bei dem Herrn Minister zur Sprache gekommen sei, 
ob und welche Garantieen gegen das Vorkommen solcher Verstöße 
gegeben werden könnten“. 
Am 4. Februar trat die Akademie unter Böckh's Vorsitz zu— 
sammen, auch Humboldt war anwesend. Zuerst wurde die Encke' 
sche Anklageschrift verlesen. Sie empörte durch ihre Maaßlosig— 
keiten, und man wollte sie kaum zu Ende hören. Dann kamen 
zwei Briefe Raumer's zum Vortrag. Der eine — er sollte für die 
weitere Entwicklung der Sache wichtig werden — lautete: 
„Mit dem größten Bedauern habe ich äußerlich ssie] vernommen, 
daß sich Se. Majestät der König über meine Rede tadelnd ausgesprochen 
und der Akademie Veranlassung gegeben hat, sich deshalb zu erklären. 
Es versteht sich von selbst, daß ich alle dabei obwaltende Schuld 
ganz allein trage und jede persönliche Zurechtweisung ohne Widerrede 
hinnehme, wie es sich (einem Vater, einem Könige gegenüber) gebührt. 
übrigens konnte ich einen Anstoß um so weniger voraussehen, 
da ich meine Rede einigen wissenschaftlichen Freunden mittheilte, mit 
denen ich seit vielen Jahren in wechselseitigem litterarischen Verkehr 
stehe, und diese darin nichts Anstößiges sanden. Es sind dies Männer, 
in deren Rechtlichkeit, loyale Gesinnung und Anhänglichkeit an die 
Allerhöchste Person Sr. Mai. der König gewiß keinen Zweifel setzen 
würde.“ 
In dem zweiten Schreiben vertheidigte sich Raumer gegen die 
Encke'schen Anklagen. Die Frage wurde nun so gestellt, ob die 
Akademie die Encke'sche Schrift überhaupt annehmen solle; wenn 
es geschehen wäre, so hätte sofort nach 8 30 der Statuten ein 
Verfahren zur Suspension Raumer's eingeleitet werden müssen. 
Einstimmig wurde aber beschlossen, die Schrift nicht anzunehmen, 
auch nicht den Acten einzuverleiben, sondern Encke zurückzugeben. 
Schelling und Crelle enthielten sich der Abstimmung. Nun trat 
man in die Verhandlung über die Königlichen Außerungen. Es 
wurde eine Eingabe von Buch, Lichtenstein, C. Ritter und Pertz 
verlesen, in der beantragt war, „Sr. Majestät unmittelbar anzu— 
zeigen, wie die Akademie eine seiner höchsten Person gegenüber 
ganz unangemessene Rede auf das Höchste mißbillige, ihn um 
Fortsetzung seiner Gunst bitte und ihm anzeige, wie man, um 
künftigen ähnlichen Mißgriffen vorzubeugen, die Eingangsreden 
jedesmal einem Ausschusse vorlegen werde, etwa aus dem Secretar
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.