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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

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Die Akademie Friedrich Wilhelm's IV. (1840 - 1859). 
äußerster Genauigkeit zu einer großen Sammlung der auf altes Recht 
hezüglichen lateinischen Inschriften zusammen zu bringen. Er hat dazu 
zwar eine Unterstützung von der Dänischen Regierung. Da indeß diese 
auf mehrere Jahre für eine Reise, die kostbarer ist als eine gewöhnliche, 
nicht ausreicht, so hoffe ich nichts Unbescheidenes für einen Mann, der 
sich bereits durch gediegene Schriften bewährt hat, zu begehren, wenn 
ich die Klasse bitte, sie wolle einen Antrag auf eine Reiseunterstützung 
kür den Dr. Mommsen im Betrage von ungefähr 200 Thlr. befürworten. 
Die Klasse setzte die Forderung auf 150 Thlr. herab und 
brachte sie an den Geldverwendungs-Ausschuß, der sie der Akademie 
zur Annahme empfahl. Hr. Mommsen erhielt die Summe. Sein 
Dankschreiben (Rom, 2. April 1845) — es ist die erste Zuschrift— 
die er an die Akademie gerichtet hat — lautete: 
„Der hochverehrten Königlichen Akademie der Wissenschaften in 
Berlin erlaube ich mir meine ganze Dankbarkeit und Erkenntlichkeit für 
die Theilnahme und Förderung, die sie meinen wissenschaftlichen Be— 
strebungen in so liberaler Weise hat angedeihen lassen, hierdurch vor⸗ 
läufig auszusprechen. Ich werde mich bemühen, in meinem speciellen 
Fache zu erreichen, was die Kräfte eines Einzelnen und die Zufälligkeiten 
des Glückes, denen die Epigraphik mehr als jeder andere Zweig der 
Wissenschaft unterworfen ist, gewinnen lassen, und erbitte mir die 
Erlaubniß, über den Erfolg meiner Bestrebungen der verehrten Akademie 
später einige Mittheilungen machen zu dürfen. Zunächst beabsichtige ich 
eine Reise in die Abruzzen, wo namentlich das Museum von Aquila 
eine bedeutende und lange, eigentlich seit Giovenazzi nicht benutzke 
Inschriftensammlung enthält; es ist aber überhaupt wünschenswerth, 
daß das Königreich Neapel, wo die Einheimischen durchaus gar nichts 
ihun, wenn man von der Hauptstadt absieht, von den Fremden einmal 
mit bestimmter Rücksicht auf Epigraphik durchreist werde, und ich be— 
absichtige daher wenigstens einen Streifzug an der Ostküste.“ 
Mommsen trat seine für die Epigraphik grundlegende Reise 
in's Neapolitanische an. In der Akademie fanden seine und Jahn's 
Bestrebungen zunächst nur bei drei Mitgliedern volles Verständniß, 
bei Gerhard, Lachmann und Savigny. Der Letztere, der in seiner 
Stellung als Staatsminister bedeutenden Einfluß besaß, trat jetzt 
entscheidend hervor. Er forderte Jahn, der unterdeß Professor in 
Greifswald geworden war, auf, einen detaillirten Plan einer auf 
Autopsie zu gründenden Sammlung der lateinischen Inschriften zu 
entwerfen und zugleich eine Denkschrift üher die Ausführung (Per⸗ 
sonen, Mittel und Zeit) einzureichen. Jahn sandte demgemäß zwei 
ausführliche Gutachten an Savigny. In dem ersten entwickelte er 
die Nothwendigkeit des Unternehmens und die Grundsätze, die für 
dasselbe maaßgebend sein sollten — ein Präludium der Mommsen'
	        
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