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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

344 Die Akademiker im Zeitalter Friedrich Wilhelm's III. 
und Werth von keinem Sammelwerk jener Zeit übertroffen wird, 
— sondern seine „Staatshaushaltung der Athener“ (2 Bände 1817 
2. Aufl. 1851) mit der Beilage: „Urkunden über das Seewesen des 
attischen Staats“ (1840). Dieses Werk trägt den Stempel der 
umfassenden Conception, aus der es stammt. Ursprünglich wollte 
Böckh ein das ganze Griechenthum umspannendes Werk unter dem 
Titel „Hellen“ schreiben; es sollte die Einheit des griechischen 
Lebens in seiner realen Erscheinung wie in den Principien seiner 
Kunst und Wissenschaft zur Darstellung bringen. Er überzeugte 
sich bald, daß ein solches Werk nicht geschrieben werden könne, 
bevor nicht einzelne Theile „nach einem nicht zu kleinlichen Maaß⸗ 
stabe“ bearbeitet worden seien. Bei Athen war einzusetzen, aber 
nicht bei der geistigen Entwicklung dieses Staats, sondern bei den 
noch am wenigsten erforschten materiellen und politischen Zuständen 
als den Voraussetzungen der intellectuellen Entwicklung. So ent— 
stand das epochemachende Werk; es ist Niebuhr gewidmet und ge⸗ 
hört in der That neben die „Römische Geschichte“; denn beide sind 
im Grunde keine „Geschichte“, sondern öffnen den Blick für die 
Grundvoraussetzungen einer solchen. Philologie und National⸗ 
ökonomie reichen sich in dieser Darstellung die Hand. Was uns 
heute selbstverständlich erscheint, daß die Kenntniß der wirthschaft⸗ 
lichen Verhältnisse eines Staats die Voraussetzung ist für das 
Verständniß seiner politischen Geschichte und seines inneren Lebens, 
das hat Böckh in diesem großen Werk zur Anerkennung gebracht. 
Indem er es schuf, bewegte er sich in seinem eigensten Elemente 
— die Erfassung des Individuellen in der Geschichte lag ihm 
ferner — und konnte ihm alle die besonderen Gaben seines Geistes 
und die Früchte seiner Arbeit dienstbar machen. Vor diesem Werke 
verstummten auch die Angriffe der alten Schule, und als es, durch 
die ungeahnte Fülle der neu entdeckten Documente bereichert, zum 
zweiten Male erschien, war der Sieg der Böckh'schen Alterthums—⸗ 
wissenschaft entschieden. Niemals wird die klassische Philologie ver— 
gessen dürfen, daß ihr die Pflege der Grammatik und der litterarischen 
Kritik gleichsam für alle Wissenschaften, die sich auf Grammatik und 
Kritik gründen, anvertraut ist — sie soll in Musterleistungen zeigen, 
wie und warum man ihrer in vollkommenster Ausbildung bedarf — 
aber daneben wird sie daran festhalten, daß ihr auch eine herrliche 
sachliche Aufgabe gestellt ist: die reiche griechische und römische 
Welt wieder aufzubauen, die Traditionen aufzudecken, die uns 
heute noch mit ihr verbinden, und die Kräfte wirksam zu erhalten,
	        
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