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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Anatomen und Physiologen: Johannes Müller. — A. von Humboldt. 631 
rückbleiben, er hat vor Beiden doch auch noch voraus, wie er 
durch seine Lehre fortzeugend gewirkt; Henle und Schwann, 
Vischoff und Remak, Reichert und Traube, du Bois-Reymond und 
Vrücke, Helmholtz und Virchow, Max Schultze und Häckel, um nur 
diese zu nennen, sind ein Ruhmeskranz einzig in seiner Art für 
dohannes Müller“. — Die Gelehrten, mit deren Namen eine Ent— 
deckung ersten Ranges verknüpft ist, sind keineswegs immer die⸗ 
enigen, denen die Wissenschaft am meisten verpflichtet ist. Hat der 
Kleinsinn bemerken zu muüsfen gemeint, daß eine solche Entdeckung 
in Johannes Müller's Arbeiten fehlt, so wiegt die reinigende, be— 
fruchtende und organisirende Kraft und die Fülle dieser Arbeiten 
die größten Entdeckungen auf. Ein Forscher, dessen Denkmal jedes 
bhysiologische Institut Deutschlands, Europas, Amerikas ist und 
den bereits die zweite Generation der Biologen als den großen 
Lehrer verehrt, steht hinter keinem Entdecker zurück. Die moderne 
Physiologie kennt nur drei Namen ersten Ranges: Haller, Müller 
und Ludwig. 
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Die Akademie hat in dem Zeitalter Friedrich Wilhelm's III. 
drei Mitglieder besessen, die, nach den Statuten einer Klasse zu— 
geschrieben, doch zwischen Disciplinen vermittelt haben, die zu 
verschiedenen Klassen gehören — Alexander von Humboldt, Karl 
Ritter und Ideler. 
Was Alexander von Humboldt als universaler Naturforscher, 
als Vermittler zwischen den verschiedenen Wissenschaften, als Re— 
organisator der Akademie, als ihr Vertreter beim Könige und bei 
der Staatsregierung und als Freund und Patron jedes tüchtigen 
Forschers gewesen ist und geleistet hat, das zu umspannen, ist eine 
Aufgabe, der diese Darstellung nicht gewachsen ist. Sie ist übrigens 
n Bruhns-Dove's Biographie annähernd gelöst, soweit dieses bei— 
spiellose Leben mit seinen fast unübersehbaren wissenschaftlichen und 
persönlichen Beziehungen eine solche Lösung zuläßt. Die wichtig— 
sten Momente, in denen er für die Akademie thätig gewesen ist, 
sind in den früheren Capiteln unserer Geschichte hervorgehoben 
worden, Einiges wird in den nächsten noch folgen; aber ebenso 
wichtig ist der stetige Austausch, in welchem er nicht nur mit den 
Collegen in der Akademie, sondern mit der Mehrzahl der be— 
deutendsten europäischen Gelehrten gestanden hat. Seine Anlage, 
seine Bildung und sein Lebensgang brachten es mit sich, daß er
	        
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