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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Physiker: Paul Erman und Sebeck. 
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daß ihm seine Vielseitigkett — er arbeitete sich allmählich in 
zahlreiche Zweige der Naturwissenschaften ein und ordnete, wenn 
es nöthig war, auch eine Fischsammlung — sehr verschiedene 
Aufgaben nahe legte und ihn hinderte, sich einem Gebiet von Er— 
scheinungen ausschließlich zu widmen. Jetzt weiß man, wie nahe 
er in seinen physikalischen Forschungen vielen Erkenntnissen ge— 
kommen ist, die seinen Namen deshalb nicht tragen, weil er sie 
zurückhielt oder den letzten Schritt verzögerte. Am hervorragend— 
ten sind seine elektrostopischen Untersuchungen an der Volta'schen 
Säule, in denen er Ohm vorgearbeitet hat, seine Beobachtungen über 
Luftelektricität, seine Versuche über den Durchgang des galvanischen 
Stromes durch Wasser und andere galvanische Beobachtungen (Ent— 
deckung der unipolaren Leitung der Flamme und der Seife), die 
ihm den Pariser Preis von 3000 Francs eintrugen. Vor Döbereiner 
hat er einen dünnen Platindraht Knallgas entzünden sehen, und in 
Bezug auf die elektrochemischen Bewegungen der Flüssigkeiten wird 
eine Bedeutung als Entdecker erst in unseren Tagen voll aner— 
kannt. Auch die Optik, namentlich aber die Wärmelehre und die 
Physik der Erde (Temperaturzunahme mit wachsender Tiefe; Be— 
obachtungsreihen über die Temperatur der Quellen), sind ihm ver— 
pflichtet. Endlich aber hat er auch in der Physiologie, der er sich 
mit besonderer Vorliebe widmete, Beobachtungen begonnen, die 
später zu hoher Bedeutung gelangt sind, über durch „Wimperbewe— 
gung“ erzeugte Strömungen, über Volumenveränderung des Muskels 
bei Zusammenziehungen, über die Schwimmblasen der Fische und 
das Schwimmblasengas u. s. w. „Durch Kühnheit in der Er— 
findung, wie durch Umsicht, Geschicklichkeit und Ausdauer beim 
Anstellen seiner Versuche hat er sich als ein Experimentator ersten 
Ranges gezeigt.“ 
Sein College Thomas Seebeck (geb. 9. April 1770 zu Reval, 
gest. 10. December 1831) hat der Akademie nur dreizehn Jahre 
angehört. Als Arzt ausgebildet, nahm er im Jahre 1802 seinen 
Wohnsitz in Jena, um sich als Privatmann ganz der Wissenschaft 
zu widmen, und trat in den Kreis der ausgezeichneten Männer 
jener ruhmvollen Stadt. Häufig war er Tage und Wochen lang 
Goethe's Gast in Weimar und nahm an dessen „Farbenlehre“ 
lebhaften Antheil. Zuerst beschäftigte auch er sich mit der Volta'schen 
Säule; dann aber fesselte ihn mehrere Jahre hindurch fast aus— 
schließlich die Optik. Um Goethe's Arbeiten zu fördern, suchte er 
die Wirkungen farbiger Beleuchtung zu ergründen und studirte
	        
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