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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

0 Die Akademiker im Zeitalter Friedrich Wilhelm's III. 
erste Beispiel einer wirklich ausgeführten Integration der allgemeinen 
Differentialgleichungen der Hydrodynamik gegeben. 
Merkwürdig ist, daß Dirichlet in seinen Arbeiten die Wege 
seines mit ihm eng verbundenen Collegen und Freundes Jacobi⸗ 
unbedeutende Ausnahmen abgerechnet, niemals gekreuzt hat, ob⸗ 
gleich ihre Schriften vielfach dieselben besonderen Fächer betreffen. 
Die speciellen Gegenstände ihrer Forschungen waren durchaus ver— 
schieden, und selbst davon, daß der Eine die Resultate des Anderen 
benutzt hätte, sind kaum einige Beispiele aufzufinden. Dieser 
Mangel an Beziehungen in ihren Schriften, bemerkt Kummer, ist 
aus der Verschiedenheit der Ausgangspunkte und Richtungen ihrer 
mathematischen Studien und Arbeiten allein nicht genügend zu 
erklären und hat seinen Grund vielmehr darin, daß Beide es ge⸗ 
flissentlich vermieden, in diejenigen Gebiete hinüberzugreifen, in 
denen Jeder die Überlegenheit des Anderen anerkannte, und daß 
sie selbst den Schein einer Rivalität zu meiden suchten. Ihre 
Freundschaft bietet ein leuchtendes Bild in der Gelehrtengeschichte; 
Jacobi, der einen weit ausgebreiteteren Ruhm als Dirichlet genoß— 
—D 
oerschaffen. 
Dirichlet's hoher Wahrheitssinn ließ ihn seine volle Befriedi⸗ 
zung nur da finden, wo er zu genauer und vollkommen sicherer 
Erkenntniß gelangen konnte. Die Wahrheit in sinnbildlicher Form 
entsprach seinem Wesen weniger; Wahrheiten aber, welche als Re⸗ 
sultate philosophischer Speculation sich ankündigten, erschienen ihm 
im Allgemeinen verdächtig. Er pflegte von der Philosophie zu 
sagen, es sei ein wesentlicher Mangel derselben, daß sie keine 
— 
keiner bestimmten Grenze bewußt sei, innerhalb deren sie die 
Wahrheit wirklich erforscht habe und über welche hinaus sie sich 
vorläufig bescheiden müsse nichts zu wissen. Seinem Wahrheitssinn 
entsprach auch die Reinheit und Präcision seiner Darstellung, in 
welcher er unübertroffen ist. Eine Schule wie Jacobi hat er nicht 
gegründet; seine zahlreichen Schüler haben individuell verschiedene 
Richtungen verfolgt. 
Nach Anlage, Erziehung und Geschick konnte es kaum größere 
Gegensätze geben als Dirichlet und Steiner. Eines Berner Bauern 
Sohn, wuchs Steiner in einer ganz ungebildeten Umgebung auf 
und lernte erst mit vierzehn Jahren schreiben. In Yverdon Schüler, 
dann Hülfslehrer. lernte er bei Pestalozzi Zahlenbegriffe mit Raum⸗
	        
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