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Viertes Buch. Geschichte der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften nach ihrer Reorganisation unter Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. (1812-1859) Erstes Capitel. Die Geschichte der Akademie von ihrer Reorganisation bis zum Tode Friedrich Wilhelm's III. (1812-1840)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

574 Geschichte der Atademie unter Friedrich Wilhelm III. (1812 1840). 
tement dem Kronprinzen freie Hand gelassen, und dieser war ein 
heftiger Gegner nicht nur der Hegel'schen Philosophie, die ihm 
„Selbstvergötterung“ war, sondern auch der freien Theologie, wie 
sie Schleiermacher vertreten hatte. Daher ist auch der Mann nicht 
Ordinarius in Berlin und Mitglied der Akademie geworden, der 
im Jahre 1835 sein epochemachendes Werk „Die Religion des 
Alten Testaments“ hatte erscheinen lassen, Vatke. Seine Wahl 
hätte um so willkommener sein müssen, als er mit der gründlichsten 
philosophischen Bildung ausgezeichnete Kenntnisse des semitischen 
Alterthums verband und die semitischen Sprachen in der Akademie 
überhaupt nicht vertreten waren. Aber die volle Bedeutung 
Vatke's hat vor Wellhausen Niemand erkannt; der Akademie war 
er als Hegelianer verdächtig, und er selbst war zu bescheiden, um 
sich vorzudrängen. — Die Besetzung des Lehrstuhls Hegel's zog 
sich lange hin. Zunächst war, nachdem Heinrich Ritter bereits im 
Frühjahr 1832 Berlin verlassen hatte und nach Kiel gegangen 
war, auf Wunsch des Kronprinzen Steffens aus Breslau berufen 
worden. Die Akademie nahm ihn im März 1835 auf, freilich 
unter starkem Widerspruch der Naturforscher, namentlich Buch's, 
der diesen Dilettanten mit Recht für gefährlich hielt. Dann setzten 
es Altenstein und Schulze nach langen Kämpfen gegen den Kron— 
prinzen durch, daß ein treuer Schüler Hegel's den Lehrstuhl des 
Meisters erhielt. Aber der Berufene, Gabler, war leider un⸗ 
bedeutend, und auch die weitere Verstärkung, welche die Hegel'sche 
Philosophie in Berlin durch die Ernennung Henning's zum Or⸗ 
dinarius erhielt, war nur eine scheinbare. Der Kronprinz brauchte 
diese „Drachensaat des Hegel'schen Pantheismus“ nicht zu fürchten; 
die Akademie hat keinen von beiden aufgenommen. Aber auch 
Trendelenburg, den Gegner Hegel's, der 1832 Extraordinarius, 
1837 Ordinarius geworden war, hat sie neun Jahre warten lassen, 
wohl um jene nicht zu kränken. 
Das wissenschaftliche Leben in der Akademie wurde in dem 
Jahrzehnt 1831-40 intensiver und breitete sich zugleich immer 
weiter aus. Zusammengehalten wurde es durch Alexander von 
Humboldt, der allen Wissenschaften ein gleich lebendiges Interesse 
widmete, bei Böckh griechische Alterthümer (1833/834), bei Mitscher⸗ 
lich Chemie hörte, auf die Berufung und Anerkennung hervor—⸗ 
ragender Gelehrter einen stets wachsenden Einfluß ausübte und, indem 
er nach Goethe's Tod allmählich in dessen Stelle nationalen Ruhms 
rückte, auf die Akademie einen Abglanz dieses Ruhms zurückstrahlte.
	        
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