Path:
Viertes Buch. Geschichte der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften nach ihrer Reorganisation unter Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. (1812-1859) Erstes Capitel. Die Geschichte der Akademie von ihrer Reorganisation bis zum Tode Friedrich Wilhelm's III. (1812-1840)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Die Revisionsvorschläge (1818). 
511 
10. Die Einsetzung eines thatkräftigen Präsidiums (so Schleier— 
nacher); aber nicht ein vornehmer Mann, sondern ein Gelehrter 
soll an die Spitze treten. 
Deutlich tritt in diesen Forderungen ein ausgezeichneter Fort— 
schritt in der Bestimmung der Aufgabe der Akademie hervor, und 
ist heute nicht mehr nöthig, das zu erweisen. Allein anderer— 
eits läßt sich nicht verkennen, daß viel zu radical mit dem älteren 
Begriff der Akademie aufgeräumt wird. Indem der Schwerpunkt 
n die Klassen verlegt und das Plenum abgedankt wird, ist ver⸗ 
kannt, daß dieses ein heislsames Gegengewicht gegen die Zersplitte— 
rung abgiebt, und daß sich in der Spannung zwischen Plenum 
und Klasse das gesunde Leben der Akademie bewegen muß. Die 
Differenzirung kann ja auch bei der Klasse nicht Halt machen, so— 
bald es sich um wirkliches Arbeiten handelt; fie geht — das 
ahnten die Stürmer übrigens selbst schon und erfuhren es an ihrem 
Corpus Inscriptionum — nothwendig viel weiter: die wissenschaft— 
lichen Unternehmungen können zwar von der Klasse geleitet, aber 
sie können von ihr nicht durchgeführt werden; dazu bedarf es 
lleiner, durch speciellste Sachkenntniß verbundener Commissionen 
bon Fachgelehrten. Sollen diese aber nicht verkümmern, sollen 
sie einen festen Rückhalt haben, soll endlich der Staat, das Publicum, 
ja die Wissenschaft selbst die Gewähr erhalten, daß nichts über⸗ 
flüssiges gearbeitet, keine Kraft vergeudet und gegenüber Einseitig— 
keiten und Liebhabereien das Gleichmaaß in jeder Richtung fest— 
gehalten wird, so ist ein System concentrischer Kreise nöthig, die 
nur in dem Plenum einer Akademie ihren Abschluß finden können. 
Die Gefahr, daß sich eine Disciplin, eine Unternehmung auf Kosten 
anderer durchsetze, wird nur abgewehrt, wenn letztlich Alles der 
Controle der Gesammt-Akademie unterliegt. Wie nach unten, so 
nach oben hat der akademische Betrieb der Wissenschaften alle 
Stufen der Verbindung und Vereinigung nöthig. 
Aber auch vom idealen Gesichtspunkte muß man die Vor—⸗ 
schläge der Freunde für überstürzt erklären. Indem sie lediglich 
die concrete Förderung der einzelnen Wissenschaften in's Auge fassen, 
unterschätzen sie den Segen, der in der Verbindung und Fühlung 
der wissenschaftlichen Disciplinen unter einander liegt und der nie 
entschwinden darf. Savigny's und seiner Freunde Haltung ist ein 
Protest gegen die Polyhistorie des 18. Jahrhunderts; die Alles— 
wisser wollen sie verbannt sehen; an die Stelle des seichten exten— 
siven Universalismus soll die Kraft treten, das einzelne Object so
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.