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Viertes Buch. Geschichte der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften nach ihrer Reorganisation unter Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. (1812-1859) Erstes Capitel. Die Geschichte der Akademie von ihrer Reorganisation bis zum Tode Friedrich Wilhelm's III. (1812-1840)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Der Revisions⸗Ausschuß (1818). 
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alle Neuerungen auf's Entschiedenste abzulehnen. Er brachte damit 
den Standpunkt der Majorität der Akademie zum Ausdruck. 
Die vier anderen Gutachten bilden eigentlich ein einziges, so 
nahe standen sich die Freunde!) In ihnen stellt sich der Fortschritt 
in der Erkenntniß der Aufgabe der Akademie und der Forderungen 
der Wissenschaft leuchtend dar. So sind sie wichtige Urkunden für 
die Geschichte der Wissenschaften und verdienen der Nachwelt be— 
lannt gemacht zu werden. Einseitig und ungestüm kündigt sich 
freilich auch hier, wie überall, der Fortschritt an, und den Werth 
des Bestehenden haben die Freunde unterschätzt. 
Zuerst gab Böckh sein Votum ab (19. Juni 1818); die wich⸗ 
tigsten Ausfuͤhrungen lauten also: 
.. Ich trage darauf an, ganz neue Statuten zu machen, welche Sr. 
Majeftät zur Bestätigung zu übergeben wären. 
wa (ad 8 2 der Statuten). Die philosophische Klasse soll aufgelöst werden, 
heils wei die speculative Philosophie der Hilfe nicht bedarf, welche die 
Akademieen der Wissenschaft leisten können und sollen, theils weil diejenigen 
Faͤcher, welche sie als Theil der Akademie betreiben kann, unter den übrigen 
Alassen schon enthalten sind. sDie Mitglieder der philosophischen Klasse gehen 
in die historisch⸗philologische über.) ... Soll ich jedoch meine Meinung ganz 
aussprechen, so würde ich vorschlagen, die gesammte Akademie in zwei Hälften 
zu theilen, die mathematisch⸗physikalische und die historisch-philosophische. ... Ich 
würde dann auch nichts dagegen haben, wenn der historischen Klasse (denn 
den Namen der historisch⸗philologischen könnte man aufopfern) etliche speculative 
Philosophen zugegeben würden, und die Klasse, wie ich sie oben genannt habe, 
die historisch⸗philosophische genannt würde. 
(ad 8 83 der Statuten). Zu einer lebendigen Thätigkeit der Akademie 
und zur vollständigen Erreichung ihrer Zwecke fehlen derselben jüngere, durch 
kein anderes, wenigstens kein bedeutenden Zeitaufwand ersorderndes Amt 
beschäftigte, thätige und talentvolle Männer, welche theils von der Akademie 
Aufträge zu eigener Ausführung erhielten, theils die vielfach beschäftigten, 
aͤlteren Mitglieder in ihrer akademischen Thätigkeit unterstützten und unter 
deren Anleitung arbeiteten. Ob man sie Adjuncten, Gehülfen oder wie sonst 
nennen will, lasse ich dahingestellt sein. Das Bedürfniß solcher fühle ich 
besonders bei dem Corpus Inscriptionum Graecarum, und die mathematische 
und physische Klasse wird gewiß, wenn sie eine große akademische Arbeit unter- 
nimmt, dies Bedürfniß in gleichem Grade anerkennen. Bei der Wahl derselben 
müßte aber nicht allein auf wissenschaftliche Qualification, sondern auch ganz 
vorzüglich auf ihren sittlichen Charalter gesehen werden, da man viel mit ihnen 
gemeinschaftlich arbeiten müßte, und sie folglich von der Art sein müßten, daß 
man leicht mit ihnen sich verständigen könnte. Sie müßten also lenksam und 
1) Daß Niebuhr — er weilte damals in Rom — ganz wie Savigny und 
Schleiermacher urtheilte, zeigt seine ÄAußerung, er halte die Gesammtsitzungen der 
Akademie überhaupt für nußklos.
	        
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