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Viertes Buch. Geschichte der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften nach ihrer Reorganisation unter Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. (1812-1859) Erstes Capitel. Die Geschichte der Akademie von ihrer Reorganisation bis zum Tode Friedrich Wilhelm's III. (1812-1840)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Niebuhr's Berichte aus Rom an die Akademie (1816- 1822). 498 
bublicitaͤt gegeben werde, diejenigen Punkte ausgenommen, wofür ich selbst 
darum bitten möchte; denn ohne hierüber vollkommen ruhig zu sein, müßte 
ich mir bei der Äußerung von Urtheilen, die, umhergetragen, empfindlich sein 
könnten, einen Zwang anthun, welcher dem Zweck, unsere Klasse mit Wahr— 
hastigkeit über die Litteratur Italiens zu unterrichten, durchaus zuwider wäre; 
die zweite, daß keine größere Planmäßigkeit und Vollständigkeit gefordert 
werde als in Privatschreiben, am wenigsten vollständige Abhandlungen. 
Nach dieser Einleitung folgt die Mittheilung der Entdeckung 
des Gajus in der Bibliothek des Domkapitels zu Verona. Das 
war ein Fund ersten Ranges; ja, vielleicht ist niemals in modernen 
Zeiten einer geschichtlichen Disciplin ein solcher Schatz geschenkt 
worden wie der Rechtswissenschaft in dieser Quelle! Die Akademie 
veranlaßte sofort Bekker und den Professor der Rechte in Berlin 
Göschen, sich nach Verona zu begeben, um den Fund in Sicherheit 
zu bringen, d. h. das schwierige Manuscript zu entziffern. „Die 
Unternehmung gelang auf's Beste“, heißt es in den Akademischen 
Abhandlungen 1816/17 S. 307, „so daß Hr. Bekker, der noch 
andere wichtige Aufträge von Seiten der Akademie. in den Bi— 
bliotheken Italiens auszuführen hatte, sobald die ersten Schwierig— 
keiten der Arbeit durch ihr gemeinsames Bestreben gehoben waren, 
die weitere Entzifferung dem Rechtskundigen allein überließ.“ 
der vorläufige Bericht Göschen's über den Fund wurde in der 
Sitzung vom 6. November 1817 vorgetragen und in den Abhand— 
lungen 1816/17 S. 308 ff. abgedruckt. Am 24. Januar 1818 las 
Savigny in der öffentlichen Sitzung der Akademie „über die neu— 
entdeckten Institutionen des Gajus“. 
Am Weihnachtstage 1819 konnte Niebuhr melden: „Aus 
Aegypten sind mir 180 griechische Inschriften angekündigt“, und 
aus dem Schreiben vom 20. Mai 1820 ersieht man, daß sie wirk— 
lich angekommen waren. In demselben Briefe empfiehlt Niebuhr 
den Dr. A. Scholz, einen Schüler de Sacy's, als Hülfsarbeiter 
der Akademie für die Ausgrabungen im Orient. Er hielt also den 
Plan eines Corpus aller antiken Inschriften noch immer fest: 
Noch nie ist bei Tyrus und Sidon nach Inschriften gesucht; ja selbst in 
Palästina noch nie, und die Inschristen von Citium find verschollen. So ist 
auch gewiß noch manches von Handschriften, namentlich für die Geschichte des 
eigentlichen Arabien, zu entdecken. Zu Elkusch auf den Ruinen des alten 
Ninive wohnt ein Freund von mir, ein vortrefflicher Mann, der nichts mehr 
wünscht, als dort zu Ausgrabungen behälflich zu sein, und nach seiner 
Erzählung sind die Hügel daselbst ganz und gar Ruinenberge, in denen man 
allerdings uralte Kunstwerke findet.
	        
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