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Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

160 Die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie (1786.- 1812). 
Denken nicht, daß Kant sie vor ein unerbittliches Dilemma stellte, 
und sie fühlten nicht, daß ein moralischer Genius erschienen war, 
um nicht nur mit den laxen Gedanken, sondern noch viel mehr 
mit den laxen Gesinnungen aufzuräumen. 
Die philosophische Richtung in der Akademie änderte sich 
langsam. Der Beginn der Äünderung fällt genau mit dem Anfang 
des Jahrhunderts zusammen, und sie wurde nicht von den zünf⸗ 
tigen Philosophen — sie nahmen Nicolai im Jahre 1799 aufl 
—, sondern durch die Einwirkung der Mitglieder der anderen 
Klassen herbeigeführt. Moritz gehörte der Akademie zu kurze Zeit 
an (1791- 1793), um Einfluß zu gewinnen, und war auch, wie 
Hirt, der andere Freund Goethe's, zu einseitig ästhetisch interessirt. 
Aber mit Hufeland's Eintritt in die Akademie und durch Beyme's 
Bemühungen gewann der Geist Weimars und Jenas Boden. 
Diesen beiden Männern verdankt die Akademie den Anfang des 
Umschwungs. Der Mediciner Walter, der scharfblickende Jurist 
Klein, der Staatsmann und einflußreiche Director Borgstede, Hirt 
und Andere traten auf Hufeland's Seite, die bald durch die 
Aufnahme von Thaer, Tralles und Johannes von Müller ver⸗ 
stärkt wurde. Bereits im Anfange des Jahres 1805 durfte man 
es wagen, Fichte vorzuschlagen (s. oben S. 397ff.), und wenn 
auch seine Aufnahme fast eine Unmöglichkeit war und zur Sprengung 
der Akademie geführt hätte — er erhielt doch von 28 Stimmen 
dreizehn! 
Aber erst mit der moralischen Wiedergeburt nach der Kata— 
strophe vollzog sich die wissenschaftliche. Zwei große geistige 
Strömungen trafen zusammen, zum Theil in denselben Männern 
mit originaler Kraft wirksam; erst in ihrer Vereinigung entstand 
ein Neues. Man kann sie durch Namen kürzer bezeichnen als 
durch Definitionen: Fichte, Schleiermacher, F. A. Wolf, Niebuhr, 
Stein und Wilhelm von Humboldt. Der universalste unter ihnen 
ist Schleiermacher gewesen. 
Wie sich durch Fichte und Stein, wie sich durch die patrio— 
tischen großen Staatsmänner — vor allem im Unterrichtswesen 
— der Umschwung vollzogen hat, das kann hier nicht erzählt 
werden. Die Akademie hat dankbar die Früchte dieser moralisch— 
politischen Reformation empfangen, aber sie selbst hat keinen An⸗ 
theil an ihr gehabt und konnte ihn vielleicht nicht haben. Zwar 
war Wilhelm von Humboldt ihr Mitglied, und in ihrem eigenen 
Hause hat sie selbstthätig reformirend gearbeitet, aber doch nur
	        
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