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Drittes Buch. Geschichte der Umwandlung der Académie des Sciences et Belles-Lettres in eine deutsche Akademie unter Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. (1786-1812) Zweites Capitel. Die Geschichte der Akademie in den ersten Jahren Friedrich Wilhelm's III. Ihre definitive Reorganisation durch die Brüder Humboldt und Niebuhr (1797-1812)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

188 Geschichte der Akademie unter Friedrich Wilhelm III. (1787 1812). 
Braunschweig), die mathematische Gauß und Oltmanns Paris), 
die philologische Uhden, Ideler und Niebuhr — er war bereits 
Königlicher Historiograph an Johannes von Müller's Stelle — 
die philosophische Schleiermacher vorschlugen. Neben diesem schlug 
die Klasse Humboldt selbst vor, der bisher noch nicht ordentliches 
Mitglied war. Die Akademie vollzog alle diese Wahlen, berichtete 
an die Section und bat um die Königliche Genehmigung „mit 
dem Vorbehalte, unter den auswärtigen Gelehrten — es handelte 
sich vor allen um Gauß und Oltmanns — nur diejenigen be— 
stätigt zu wünschen, welche sich hier niederlassen können“. 
Der König bestätigte die Wahlen am 7. April!), ausgenommen 
die von Gauß und Oltmanns; denn „bei diesen wird es erst darauf 
ankommen, ob diese überhaupt werden hierher berufen werden 
können, da die Fonds hierzu unzulänglich sind, die Akademie d. W. 
aber bei ihrer Wahl auf die Anwesenheit dieser beiden Professoren 
gerechnet hat“. 
Humboldt wollte um jeden Preis Gauß nach Berlin ziehen 
und unterhandelte mit ihm. Bereits am 15. April konnte er der 
Akademie mittheilen, daß die Section ihn „wirklich zu berufen im 
Begriff ist. Er wünscht, daß die Akademie ihm ein Schreiben, 
welches die vollzogene Wahl von Gauß enthalte, übersende, denn 
er wollte das fait accompli als Lockmittel für den großen Ge— 
lehrten benutzen. Allein die Akademie hatte ihn nur bedingt ge⸗ 
wählt, und die Unterhandlungen mit ihm zerschlugen sich. Aber 
Humboldt gab die Hoffnung noch nicht auf. Am 8. Juni ersuchte 
er die Akademie, Gauß zum auswärtigen Mitglied zu machen; „er 
hat zwar den Ruf für jetzt abgelehnt; ich habe indeß die Hoff⸗ 
nung, ihn der K. Akademie d. W. zu gewinnen, noch nicht auf⸗ 
9) Der Scharfblick, mit welchem Humboldt Niebuhr's Genie erkannt und ihn 
der Akademie zugeführt hat, ist bewunderungswürdig; denn noch hatte er nichts 
Wissenschaftliches geschrieben und keine Vorlesung gehalten. Er war, da er unter 
Hardenberg nicht im Ministerium bleiben wollte, ein freier Mann geworden, und 
diese Situation benutzte Humboldt, um ihn ganz für die Wissenschaft zu gewinnen. 
Dem Eintritt Niebuhr's in die Akademie verdankt man die „Römische Geschichte“. 
„Ich kehre zu meinen Wissenschaften mit verjüngter Lust zurück“ — schreibt er 
bereits am 15. Juli 1810 — „und spüre, daß auch mein Gedächtniß wieder auf—⸗ 
lebt. Dies empfinde ich auf eine angenehme überraschende Weise bei einer Arbeit 
über die Amphiktyonen, wozu die Beurtheilung der bei der Akademie eingegangenen 
Preisabhandlungen veranlaßt; ich beschäftige mich sehr lebhaft damit, theils wegen 
des Interesses, welches der Gegenstand hat, theils auch um meinen Collegen zu 
zeigen, daß ich kein bloßes Ehrenmitalied sei.“
	        
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