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Drittes Buch. Geschichte der Umwandlung der Académie des Sciences et Belles-Lettres in eine deutsche Akademie unter Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. (1786-1812) Zweites Capitel. Die Geschichte der Akademie in den ersten Jahren Friedrich Wilhelm's III. Ihre definitive Reorganisation durch die Brüder Humboldt und Niebuhr (1797-1812)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

432 Geschichte der Akademie unter Friedrich Wilhelm WI. 1797 1812). 
Abstimmung beendigt, der Entwurf angenommen. Mit Walter 
folgten noch peinliche Auseinandersetzungen, die mit einem heftigen 
schriftlichen Protest seitens dieses Gelehrten schlossen. 
Am 28. August forderte Humboldt die Vorlage ein) — eben 
in jenen Tagen, da die hochherzige Königliche Kabinetsordre, 
welche die Universität nach Humboldt's Vorschlägen begründete 
(16. August 1809), in Berlin bekannt geworden war. Am 1. Sep⸗ 
tember übersandte das Directorium den Entwurf und ein Volumen 
von 310 Folioseiten. In dem ausführlichen Begleitschreiben an 
Humboldt stellt es die ganze Vorgeschichte und den bisherigen Ver—⸗ 
lauf der Reorganisationsarbeit seit dem 9. April 1798, bez., seit 
dem October 1807 dar, berichtet über die abweichenden Meinungen 
im Schooße der Akademie und sucht die Höhe des aufgestellten Etats 
mehr zu entschuldigen als zu empfehlen — den beiden alten 
Directoren graute es augenscheinlich vor den 76000 Thlr., welche 
die Jüngeren gefordert hatten; sie blickten mit Wehmuth auf die 
Glanzzeit unter Friedrich dem Großen zurück, in der Alles mit 
15000 Thlr. bestritten worden war. 
Kaum hatte die Akademie ihren Statuten-Entwurf glücklich in 
den Hafen des Ministeriums gebracht, da empfing sie die Königliche 
Kabinetsordre (22. September 1809), die sie seit dem 16. August 
täglich erwarten mußte. Indem ihr von der Stiftung der neuen 
Universität Mittheilung gemacht wird, erfährt sie, daß es der Wille 
des Königs sei,. 
„Die Universität mit den beiden Akademieen und sämmtlichen 
Instituten und Sammlungen, als Bibliotheken, Sternwarte, 
botanischem Garten, anatomischen Museum, Medaillen⸗ 
Kabinet dergestalt zu einem organischen Ganzen zu verbinden, 
daß jeder einzelne Theil eine angemessene Selbständigkeit 
erhalte, jedoch gemeinschaftlich mit den andern zu dem all⸗ 
gemeinen Zweck mitwirke“. 
) Er schrieb, die Besorgnisse der Akademiker kennend: „Ich schmeichle mir, 
daß sowohl das Directorium als die Akademie selbst, auf deren Vertrauen ich 
immer den größten Werth setzen werde, in dieser Aufforderung nur meine Absicht 
erkennen wird, in Verbindung mit der Akademie und mit Benutzung ihrer Ein⸗ 
sichten und Erfahrungen dahin zu arbeiten, daß sie zwar eine so bestimmte, aber 
auch eine so freie Form erhalte, als nicht allein zur Erreichung ihrer wichtigen 
Zwecke, sondern auch zum angemessenen Zusammenwirken mit den übrigen höheren 
wissenschaftlichen Instituten nothwendig ist“.
	        
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