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Drittes Buch. Geschichte der Umwandlung der Académie des Sciences et Belles-Lettres in eine deutsche Akademie unter Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. (1786-1812) Erstes Capitel. Die erste Reorganisation der Akademie durch den Minister Hertzberg; ihre Geschichte bis zum Tode Friedrich Wilhelm's II. (1797)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Moritz. 
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„nach Anleitung der Gemmen und Antiquen in Sanssouci geschrieben und 
„macht ihm solche alle Ehre. Ein Mitglied der Akademie der Wissenschaften 
„könnte er wohl werden, nun aber ist anietzt keine Vacanz, oder er müßte als 
„Surnumeraire angestellet werden, wenn dieses Ew. K. Maj. dem Grafen 
„d. Hertzberg anzubefehlen geruhen.“ 
Der König genehmigte den Antrag und wies Hertzberg an, 
die Aufnahme zu vollziehen. Allein dieser machte Gegenvorstellungen, 
die für ihn und für die Denkweise, die in der Akademie herrschte, 
sehr charakteristisch sind: 
„Ew. K. Maj. haben mir auf Antrag des Etats-Ministers v. Heynitz 
„besfohlen, den Professor Moritz zum supernumerären Mitgliede der Akademie 
„aufzunehmen. Ich halte meiner Pflicht, darauf gehorsamst anzuzeigen, 
daß nach den Statuten und der Verfassung der Akademie der Wissen⸗ 
„schaften die Mitglieder derselben nicht ernannt, sondern von der Akademie 
„selbst erwählet werden sollen, daß im Gegenstande diese Akademie bald ein 
»vieles von ihrem Ruhm und Ansehen verlieren und bei den Academiciens 
„ein Mißvergnügen entstehen würde, daß der Professor Moritz sich zwar zu 
„der Akademie der Künste durch Fabel-Erklärungen, aber noch nicht zur 
„Akademie der Wissenschaften, die ein mehreres erfordert, qualificirt hat und 
„sür einen sehr mittelmäßigen Gelehrten passiret, daß zu Berlin viel größere 
„Gelehrte, als Zoellner, Biester und Nicolai, sind, die sich durch ihre Schriften 
„viel mehr als würdige Mitglieder der Akademie qualificirt haben. Ich frage 
„also unterthänigst an, ob Ew. K. Maj. nicht auf diese mir nicht unerheblich 
„scheinende Bedenklichkeiten Rücksicht nehmen und auf der Aufnahme des Prof. 
„Moritz nicht bestehen, oder allenfalls genehmigen wollen, daß ich die Akademie 
„über seine Aufnahme votiren und es auf die Wahl nach den meisten Stimmen 
ankommen lassen soll.“ 
Moritzens Aufnahme wurde zunächst vertagt; aber einige 
Monate später scheint der Minister seinen Widerstand aufgegeben 
zu haben: zusammen mit Zoellner wurde der Freund Goethe's 
recipirt. Nun, im Januar 1792, legte Hertzberg einen förmlichen 
Plan vor, die deutsche Sprache durch Mithülfe der deutschen 
Akademiker nach dem Vorbild der Pariser zu vervollkommnen und 
zu cultiviren. Zoellner entwickelte diesen Plan deutsch; Moritz las 
eine Abhandlung „über die Vervollkommnung der deutschen Sprache“ 
und später eine zweite „über den Despotismus in der deutschen 
Sprache“. Wie Hertzberg an den König am 15. April 1792 be— 
richtet, beschloß die Deputation — sie fand die ihr gestellte Aufgabe 
sehr umfassend — zunächst bei den Fremdwörtern einzusetzen und 
zu untersuchen, welche von ihnen beizubehalten und welche zu ent— 
fernen seien. Einige „Beiträge zur deutschen Sprachkunde“ gab 
sie wirklich heraus (1793), an denen sich namentlich Moritz, Teller, 
Gedike und Zoellner betheiligten; aber Bedeutendes hat sie nicht 
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