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Zweites Buch. Geschichte der Académie Royale des Sciences et Belles Lettres Friedrich's des Großen (1740-1786) Drittes Capitel. Die Arbeiten und die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

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Die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie Friedrich's L. 
Überblickt man alle diese Entdeckungen und Arbeiten der 
Mathematiker, Physiker, Chemiker, Astronomen, Botaniker und 
Anatomen der Akademie, die in der kurzen Spanne von vier Jahr⸗ 
zehnten hervorgetreten sind, so wird man sagen dürfen, daß die 
Königlich Preußische Akademie in Hinsicht auf die Naturwissen⸗ 
schaften an der Spitze der wissenschaftlichen Bewegung gestanden 
hat und von keiner anderen Akademie übertroffen worden ist. 
Nicht das Gleiche gilt von den speculativ-philosophischen, den 
philologischen und den historischen Fachwissenschaften. Die hohe 
Bedeutung, welche die Akademie auch hier gehabt hat, liegt ganz 
wesentlich in jenen Wirkungen, die oben S. 3209ff. beschrieben 
worden sind. Eine geistesmächtige Schrift, eine epochemachende 
Abhandlung, deren Gedächtniß bis heute fortwirkt, ist in den ge— 
nannten Wissenschaften von keinem Akademiker, weder von einem 
deutschen, noch von einem schweizerischen, noch von einem fran—⸗ 
zösischen geschrieben worden — mit Ausnahme der bereits be⸗ 
sprochenen Arbeiten von Lambert. Weder Kant noch Herder, 
weder Winckelmann noch Lessing, auch nicht Montesquieu oder 
Voltaire haben Beiträge für die Mémoires der Akademie geliefert. 
Blicken wir zunächst auf die speculative Philosophie. In fast 
zahllosen Abhandlungen und Schriften haben Heinius, Formey, 
Beguelin, Sulzer, Merian, Pernety, Prémontval, Castillon, Cochius, 
Beausobre, Moulines, Prevost und Andere philosophische Einzel—⸗ 
fragen aus den verschiedenen Disciplinen erörtert. Vor allem war 
es der Gegensatz der Leibnizianer (Wolffianer) und der Anhänger 
Newton's und Locke's, der neben Vermittelungsversuchen in den 
Arbeiten zum Ausdruck kommt. Zuerst, solange Maupertuis regierte, 
hatten die Newtonianer die Oberhand; aber sie waren bereits 
Eklektiker. Dann drängte sich unter Sulzer's Einfluß der Wolffianis⸗ 
mus wieder vor, aber auch nicht der strenge Wolffianismus, 
sondern in eklektischer Haltung. Endlich machte man aus der 
Noth eine Tugend und erklärte mit Merian, der von Maupertuis 
und den Engländern ausgegangen war: „LPelecticisme est la 
geule secte ou non-secte, qui doive respirer dans une académie“, 
oder man pries sich selbst mit F. Ancillon: „Cette Académie 
s'est toujours prégervéée de la contagion des systèmes, par 
l'esprit d'indépendance et d'examen, par cet espfit philosophique 
qui est plus précieux que la philosophie ellomême“. Diese 
eklektische Haltung in der Philosophie, mit scharfer Abweisung der 
materialistischen, mit principieller Zustimmung zur empirischen
	        
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