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Zweites Buch. Geschichte der Académie Royale des Sciences et Belles Lettres Friedrich's des Großen (1740-1786) Drittes Capitel. Die Arbeiten und die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

304 Die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie Friedrich's II. 
zweiten Preisvertheilung (1746) gesiegt hatte. Man war bald ge⸗ 
wohnt, von der Berliner Akademie die kühnsten Fragen gestellt zu 
sehen, weil sie eine philosophische Klasse besaß und unter einem 
Könige arbeitete, der der Speculation keine Schranken zog. Aller⸗ 
dings haben gerade die philosophischen Preisaufgaben mehrmals 
eine scharfe Kritik bei den Auswärtigen herausgefordert; aber eben 
diese Kritik zeigte auch, daß man ganz Besonderes von der Ber— 
liner Akademie erwartete. Wie weit das Interesse an den Preis⸗ 
vertheilungen ging, bis in die französischen und schweizerischen 
Tageszeitungen hinein, mag folgende Mittheilung in den Züricher 
„Freimüthigen Nachrichten“ vom 26. Wintermonat 1758 beweisen. 
Dort liest man: 
„Den 85. Juni Nachmittags hielt die k. Akademie der Wissenschaften und 
Belles-Lettres ihre öffentliche Versammlung, welche sie jährlich wegen der 
Besteigung des Throns seiner Majestät, des Königs, anzustellen pflegt. Ge⸗ 
dachte Versammlung wurde mit der Gegenwart S. K. Hoheit des Prinzen 
Friedrich Heinrich Carls, zweiten Sohns S. K. Hoheit des Prinzen von 
Preußen beehrt, wie sich denn auch verschiedne in- und ausländische Ministres, 
nebst andern vornehmen Herrn des Hofes und der Stadt dabei einzufinden 
beliebten. Der beständige Secretär der Akademie, Hr. Prof. Formey, eröffnete 
die Sitzung dadurch, daß er bekannt machte, wie der auf das jetzige Jahr 
von der Classe der tiefsinnigen Philosophie zu vergebende Vreis u. s. w.“ 
(Folgt der Bericht über die Preisvertheilung.] 
Der Antheil der Zeitungen ist ein sicherer Beweis dafür, daß 
in allen Culturländern Gelehrte und Litteraten mit Interesse dieser 
Bethätigung der Akademieen folgten. Wirklich giebt es kaum eine 
Preisfrage, deren Spuren nicht im litterarischen Verkehr hervor⸗ 
ragender Männer des Zeitalters zu finden wären, ja diese Spuren 
sind so zahlreich, daß ihre vollständige Aufdeckung ein eigenes 
Werk erfordern würde. Die Betheiligung an dem Wettkampf war 
sehr bedeutend und legte der Akademie eine große Arbeitslast auf. 
Wir wissen, daß ein Thema, das für das Jahr 1780 gestellte 
(Jss unten), nicht weniger als zweiundvierzig Bewerbungen gefunden 
hat; ein Dutzend scheint die Regel gewesen zu sein. Die Natio— 
nalität der Bewerber läßt sich nicht sicher feststellen, da die Ver— 
fasser der nicht gekrönten Arbeiten unbekannt blieben und nur 
selten der Eine und Andere, der das „Accessit“ erlangt hatte, sich 
meldete. Mit dem Preise gekrönt wurden 26 deutsche Arbeiten, 
10 französische (eingerechnet zwei Genfer), eine italienische und eine, 
deren Verfasser Siebenbürge war. Hieraus darf man wohl 
schließen, daß die Zahl der deutschen Bewerber mindestens doppelt
	        
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