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Einleitung. Leibnitz und der Gedanke der Akademieen. Die Vorgeschichte der Brandenburgischen Societät der Wissenschaften (1697-1700)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Die Akademieen des 17. Jahrhunderts. 
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oder alle Künste und Wissenschaften, welche sich auf die Vernunft 
und die Erfahrung stützen, von der Sophistik zu befreien, zu einer 
demonstrativen Gewißheit zurückzuführen, durch eine richtige Unter— 
weisung fortzupflanzen, endlich durch glückliche Erfindungen zu ver— 
mehren.“ Vor allem aber ist Amos Comenius zu nennen als der 
große Führer und Erzieher zu einer Reform der wissenschaftlichen 
Methode, zugleich unermüdlich thätig, gleichgestimmte Männer zu 
sammeln und zu vereinigen. Indessen alle diese privaten „Socie— 
täten“, innerhalb deren Valentin Andrege eine besonders charakte— 
ristische Figur ist, haben für die Gründung der großen staatlichen 
gelehrten Körperschaften doch nur indirecte Bedeutung gehabt. Die 
Behauptung eines neueren Forschers: „Es läßt sich ebensowenig 
eine Geschichte der Berliner wie der Londoner Akademie schreiben, 
ohne des wesentlichen Antheils zu gedenken, den die älteren freien 
Collegien und Gesellschaften an ihrem Entstehen gehabt haben“, 
ist mindestens mißverständlich. Das von Comenius zu London im 
Jahre 1641 entworfene Project einer höheren und einheitlichen 
Organisation der in vielen Ländern vorhandenen Gesellschaften 
unter neuem Namen zur Pflege der Pansophie ist nie verwirklicht 
worden, und es läßt sich nicht nachweisen, daß es auf die Stiftung 
der „»Royal Society“ (1662) irgend welchen Einfluß ausgeübt hat. 
Diese hat vielmehr ihre Vorstufe an einer Gesellschaft von Natur— 
forschern, die seit dem Jahre 1645 oder schon früher auf Anregung 
eines in London lebenden Pfälzers, Theodor Haak, wöchentlich 
zusammenkamen, sich über den Stand der Naturwissenschaften 
unterhielten und von neuen Experimenten berichteten. Nach der 
Restauration hat Karl II. diese Gesellschaft in eine „königliche“ 
verwandelt, um hervorragende Männer von der Politik abzuziehen 
und mit anderen Interessen zu beschäftigen. Daß die neugestiftete 
Royal Society“ auch Mitglieder zählte, die zu Comenius und 
dessen Bestrebungen in Beziehung standen, hat für die Zwecke und 
die Entwicklung dieser Gesellschaft gar keine Bedeutung gehabt. 
Dasselbe ist von der Preußischen Societät der Wissenschaften zu 
sagen. Zu ihren ersten Mitgliedern gehörten nicht wenige, die 
entweder früher Genossen privater Societäten gewesen waren oder 
in gewissen Beziehungen zu der von Comenius erweckten geistigen 
Bewegung gestanden hatten. Aber das hat weder für die wirk— 
liche Vorgeschichte, noch für die Stiftung der Königlich Preußischen 
Societät Bedeutung gehabt. Kaum irgendwo begegnet man in den 
einschlagenden Acten und Briefen einer Erwaͤhnung der freien
	        
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