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Einleitung. Leibnitz und der Gedanke der Akademieen. Die Vorgeschichte der Brandenburgischen Societät der Wissenschaften (1697-1700)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Vorgeschichte der Akademie. 
geschöpft werden könne“!) — mit dem sichersten Sinn für das 
Erreichbare und mit kluger Schonung des Bestehenden. Zwar 
wenn man die ununterbrochen hervorquellende Menge seiner 
Hoffnungen, Ideen, Entwürfe und Projecte überschaut, scheint es 
fast, als müsse ihm der Sinn für das Bestehende und Erreichbare 
abgesprochen werden, und wirklich bietet er Eigenthümlichkeiten, 
nach denen er auf die Linie jener wunderlichen und zweifelhaften 
Naturphilosophen gehört, die mit Paracelsus begonnen hat und 
selbst in einem Comenius noch zu erkennen ist. Allein wie schon 
die Zusammenstellung dieser beiden Namen die Reinigung jener 
productiven geistigen Bewegung im Laufe ihrer Entwicklung be— 
weist, so wäre es keine Schande für Leibniz, am Schlusse derselben 
zu stehen und gleichsam das gelungene Experiment der Natur nach 
vielen unvollkommneren Hervorbringungen dieser Gattung darzu— 
stellen“). Aber es ist doch unrichtig, den großen Gelehrten und 
1) Vergl. auch seine charakteristische Definition des religiösen Glaubens (Klopp, 
die Werke von Leibniz, J. Bd. 1864 S. 112): „Der wahre Glaube und die wahre 
Hoffnung ist nicht nur reden, ja nicht nur denken, sondern practice denken, das ist 
thun, als wenn's wahr wäre.“ 
2) Mit bewunderungswürdiger Einsicht und richtigem Scharfblick hat Leibniz 
etwa 24 Jahre alt, über jene wunderlichen Naturphilosophen, die sich mit „curiosen“ 
Sachen abgaben, geurtheilt, die in demselben Sinne die Väter der „Akademiker“ sind, 
wie die Alchemisten die der Chemiker. In dem „Bedenken von Aufrichtung einer 
Academie oder Societät in Teutschland“ (Klopp, Die Werke von Leibniz, J. Bd. 
1864 S. 148) schreibt er: „Die Laboranten, Charlatans, Marktschreier, Alchymisten 
und andere Ardeliones, Vaganten und Grillenfänger sind gemeiniglich Leute von 
großem Ingenio, bisweilen auch Experienz, nur daß die disproportio ingenii et 
iudicii, oder auch bisweilen die Wollust, die sie haben, sich in ihren eitelen Hoffnungen 
zu unterhalten, sie ruiniret und in Verderben und Verachtung bringet. Gemißlich, 
es weiß bisweilen ein solcher Mensch mehr aus der Erfahrung und Natur gewonnene 
Realitäten, als mancher in der Welt hoch angesehener Gelehrter, der seine aus den 
Büchern zusammen gelesene Wissenschaft mit Eloquenz, Adresse und anderen politischen 
Streichen zu schmücken und zu Markt zu bringen weiß, dahingegen der andere mit 
seiner Pxtravaganae sich verhasset oder verachtet machte. Daran sich aber verständige 
Regenten in einer wohlbestellten Ropublique nicht kehren, sondern sich solcher Menschen 
brauchen, ihnen gewisse regulirte Employ und Arbeit geben und dadurch sowohl ihr 
als ihrer Talente Verderben verhüten können“. In welche gefährliche Nähe er selbst 
zeitweilig den prahlerischen Erfindern und wissenschaftlichen Großsprechern gekommen 
ist, zeigt am besten der Brief an Herzog Johann Friedrich von Hannover, den 
Guhrauer, Leibnitz's Deutsche Schriften, J. Bd. 1888 S. 277 ff. abgedruckt hat. Es 
hat übrigens sowohl zu Leibniz' Lebzeiten als nach seinem Tode stets ernsthafte, aber 
bornirte und neidische Leute gegeben, die, wie z. B. sein Nachfolger in Hannover, 
ihn als „Speculanten, Projectenmacher und Charlatan voll Prahlerei“, dazu als 
Schmeichler der Fürsten beurtheilt haben.
	        
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