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Einleitung. Leibnitz und der Gedanke der Akademieen. Die Vorgeschichte der Brandenburgischen Societät der Wissenschaften (1697-1700)

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Vorgeschichte der Akademie. 
wandten Wissenschaften ein Mittelpunkt werden — ein Band der 
Geister und eine Burg der erhabensten Beherrscherin der Welt, 
der Weisheit! Sie wird im Genuß ewigen Friedens sein; denn 
im Kriege wird sie durch Verträge als unverletzlich geschirmt; 
auch unter dem Schalle der Waffen werden die Musen dort nicht 
schweigen. Jede freie Kunst wird ohne Einschränkung gelehrt; sie 
wird sich selbst verwalten, nur unter dem Kurfürsten stehen; alle 
wissenschaftlichen Hülfsmittel werden ihr gewährt. Das, was einst 
die Schüler Plato's geträumt, was die Poeten der Renaissance im 
Geiste geschaut hatten — Platonopolis sollte als eine evangelisch— 
protestantische Schöpfung in Brandenburg entstehen! 
Ein Ideal war hier gezeichnet — Benedict Skytte, ein phan— 
tasievoller Schwede, hatte es erdacht —, seine Undurchführbarkeit 
mußte bald erkannt werden. Streift man ihm aber die bizarre 
Hülle ab, so spricht es kühn und zutreffend die Bedingungen aus, 
unter denen die Wissenschaft allein zu gedeihen vermag, und ver— 
kündet den Segen der Wahrheitserkenntniß, die ihr Gesetz in sich 
selber trägt. Es bedeutet etwas in der Geschichte des preußischen 
Staats und der Wissenschaft, daß ein Monarch wie der große Kur— 
fürst sich zu diesen Grundsätzen bekannt hat. Indem er der Wissen— 
schaft volle Freiheit, unbedingten Schutz und alle nöthigen Mittel 
zugleich zusagte, hat er den unerschütterlichen Glauben an die heil— 
same Kraft der Wahrheit ausgesprochen. — 
Das Project war in Berlin vergessen, als unter Friedrich III. 
der Plan zur Errichtung einer Brandenburgischen Societät der 
Wissenschaften auftauchte. Aber ein geistiges Band zwischen jener 
nie verwirklichten Absicht und der gestifteten Societät besteht doch; 
denn aus denselben Bedingungen sind beide geboren. Hier wie 
dort war die Sorge für die geistige und materielle Cultur Preußens 
und zugleich das Gefühl der Verpflichtung als Vormacht des Pro— 
testantismus maaßgebend, und hier wie dort legte der neue Besitz 
— die großmüthig aufgenommene französische Einwanderung — 
den Gedanken nahe, diese ausgezeichneten Kräfte auch im Dienste 
der Wissenschaften zum Nutzen des Vaterlandes zu sammeln und 
mit den einheimischen Kräften zu verschmelzen. 
Aber die neue Form einer „Societät“ oder „Akademie“ ver— 
langt doch noch eine besondere Aufmerksamkeit. Die europäischen 
Universitäten sind auf dem Höhepunkte des Mittelalters entstanden, 
und ihre Einrichtung, die Lehre in festen Formen zu überliefern, 
entspricht der mittelalterlichen Stufe wissenschaftlicher Erkenntniß.
	        
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