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Erstes Buch. Geschichte der Brandenburgischen (k. preußischen) Societät der Wissenschaften unter Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. (1700-1740) Zweites Capitel. Geschichte der Societät von ihrer Gründung bis zu ihrer wirklichen Einrichtung im Januar 1711

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

—* 
Geschichte der Societät von 1700 -1711. 
Ferner heißt es 2.: 
„Und damit dieselben (die zu exwählenden 4 Directoren) bei solch ihrer 
Bemühung einiger Ergetzlichkeit hiernächst sich zu erfreuen haben, soll auf 
begebenden Abgang des jetzigen Praesidis dasjenige, so demseiben wegen 
seiner Abwesenheit zu Erstattung derer von Zeit zu Zeit auf die jedesmalige 
hin und Wiederreisen zu wendenden Kosten, überhaubt als ein gewisser Gehalt, 
verordnet worden, kraft dieses ihnen sämmtlich und die nebst ihnen das 
Concilium constituiren zugeeignet sein und unter sie gleich verteilet werden.“ 
Diese beiden Bestimmungen hatte Leibniz einst genehmigt. 
Hatte er doch selbst gewünscht und wünschen müssen, daß einer 
der Minister sich ex professo der Societät annehme, und die Be⸗ 
stimmung, daß einst sein Gehalt unter die Mitglieder des Con⸗ 
ciliums vertheilt werden solle, konnte ihm gleichgültig sein. Ganz 
gleichgültig war sie freilich doch nicht; denn die bisher unbesoldeten 
Mitglieder des Concils schauten nun nach den 600 Thlrn. aus. 
Dazu kam, daß eine gewisse Unklarheit darüber bestand (s. oben), ob 
sie Leibniz als festen Gehalt oder lediglich als Entschädigung für 
Reisekosten oder für Reise- und Correspondenz-Kosten bezog. Wie 
nun, wenn er nicht mehr nach Berlin kam? 
Als das Observatorium im August 1709 übergeben wurde, 
reichte das Concilium den Statutenentwurf auf's Neue ein. Der 
Minister ließ ihn einige Monate liegen, da die Inauguration sich 
verzögerte, gab ihn der Societät zurück, um einige Correcturen 
vorzunehmen, und erkundigte sich dabei — augenscheinlich er—⸗ 
staunt —, auf welchen Rechtstitel hin Leibniz 600 Thlr. bezöge. 
Cuneau antwortete darauf am 10. April 1710 in einer sach⸗ 
gemäßen, wenn auch Leibniz nicht eben sehr freundlichen Weise 
und überzeugte den Minister, daß man Leibniz die 600 Thlr. lassen 
müsse; zwar seien sie bisher vom Könige nicht bewilligt worden, 
aber die Bewilligung sei doch seiner Zeit mit Vorwissen der 
Regierung geschehen. Hierauf bestätigte der König am 3. Juni 
1710 das Statut und ernannte zugleich — im Statut das 
bereits ankündigend — den Minister von Printzen zum Praeses 
honorarius, mit der Bestimmung, daß er zur Zeit neben Leibniz, 
der wirklicher Präses blieb, fungiren, nach dessen Abgang aber 
allein der Societät vorstehen solle. In einer besonderen Ordre 
oom 27. Juni wurden Leibniz die 600 Thlr. jetzt durch den König 
zugesichert — aber sie wurden ausdrücklich und gegen den An— 
spruch, den Leibniz nach den Verhandlungen von 1700 hatte, 
lediglich als Reisekosten-Entschädigung bezeichnet —; ferner wurde 
die Bestimmung über die spätere Vertheilung der 600 Thlr. aus
	        
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