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Erstes Buch. Geschichte der Brandenburgischen (k. preußischen) Societät der Wissenschaften unter Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. (1700-1740) Zweites Capitel. Geschichte der Societät von ihrer Gründung bis zu ihrer wirklichen Einrichtung im Januar 1711

Full text: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Harnack, Adolf von (Public Domain)

Das Seidenbau⸗-Privileg der Societät. Das Laboratorium. 111 
Marstallverwaltung gebraucht wurde, so befahl der König auf 
Vorschlag der Societät, daß jenes Grundstück — heute Dorotheen— 
straße 10 und bis zum Jahre 1900 im Besitz der Akademie — ange— 
sauft werde. Es war 70 Fuß lang und 200 Fuß tief; ein 
kleines Haus stand im Hintergrunde, welches sofort bezogen werden 
onnte, und es ließ Raum, ein größeres Gebäude vorn zu errichten 
für eine Druckerei, Laboratorium und Repräsentationszimmer. 
Am 28. April 1707 erschien die königliche Ordre; aber nun ent— 
wickelte sich eine Tragikomödie, die ein trübes Licht auf die 
damaligen finanziellen Zustände in Preußen wirft. Ein volles 
Jahr dauerte es, bis der Kauf abgeschlossen wurde und Kirch 
einziehen konnte — so lange hatte sich die Finanzkammer gesträubt, 
theils weil sie kein Geld geben wollte, theils weil sie keins hatte. 
Und der Kauf kam erst wirklich zu Stande, nachdem Leibniz 
brieflich noch einmal energische Vorstellungen beim Könige selbst 
zemacht und sich die Hofpredigerwittwe Sturm entschlossen hatte, 
der Societät, d. h. dem Staate, 2100 Thlr. vorzustrecken, die 
die Societät zu verzinsen hatte und die die Finanzkammer in 
drei Jahren (zu 700 Thlr.) zurückerstatten sollte! Aber auch jetzt 
noch erklärte die Kammer, nicht zahlen zu können, und es dauerte 
noch mehrere Jahre, bis sie die ersten 700 Thlr. aufzutreiben ver—⸗ 
mochte. 
Immerhin war durch Leibnizens Eintreten etwas erreicht 
eine feste Zusicherung wegen eines Grundstücks und eines 
dauses nahe beim Observatorium war gegeben, und dieses selbst 
zing seiner Vollendung entgegen. Aber noch mehr, durch 
nergische Mahnungen hatte Leibniz es durchgesetzt, daß die Mit— 
glieder seit dem Frühjahr 1707 ernsthaft an die Herausgabe 
eines ersten Bandes „Miscellanea Berolinensia“ dachten — die 
deutsche Sprache für sie zu wählen, glaubte man noch nicht 
wagen zu dürfen — und Abhandlungen einreichten; die 
Redaction des Ganzen hatten Cuneau und Leibniz selbst über— 
nommen. Die Früchte seiner Thätigkeit stellte er Ende April, 
iurz bevor er nach Hannover zurückkehren mußte, in einem 
Schreiben an den König übersichtlich zusammen und fertigte 
auch einige Schreiben an den Rath von Berlin und die Amtmänner 
in Cöpenick und Potsdam zur Unterstützung des Seidenbaus im 
Namen der Societät aus. Aber obgleich ihm der König bei der 
Abschiedsaudienz huldvoll versichert hatte, er werde ihm seine 
Gnade bewahren und alle Anordnungen durchsetzen, so war er,
	        
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