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Full text: Moabiter Wochenmarkt und Markthalle / Oehlert, Wilhelm (Public Domain)

Der heute so mächtig entwickelte Stadttheil Moabit mit 
seinen mehr denn 175 000 Einwohnern ist in der Hauptsache 
aus den beiden Kolonien Alt- und Neu-Moabit hervorgegangen, 
die bis zu ihrer im Jahre 1861 erfolgten Einverleibung in 
Berlin gesondert neben einander bestanden hatten. 
Durch den kleinen Thiergarten von einander getrennt 
und (gbggsehen von den großen Fabrikanlagen Alt-Moabits) 
einen —— ländlichen Charakter tragend, hatten sie freilich 
schon zur Zeit ihrer Selbständigkeit neben dem gemeinsamen 
Namen auch eine Reihe gemeinschaftlicher Einrichtungen; so 
waren sie bei derselben Kirche (bis 1885 bei der Sophien-, 
von da ab bei der im gleichen Jahre eröffneten St. Johannis— 
kirche) eingepfarrt; so hatten sie, beide zum Kreise Nieder— 
barnim gehörig, gemeinsamen Gerichtsstand beim Berliner 
Stadtgericht; auch bildeten sie ein gemeinsames Polizeirevier 
und besaßen eine gemeinschaftliche Feuerspritze, deren Bedienung 
den erwachsenen männlichen Bewohnern beider Orte oblag; 
gemeinschaftlich war selbst der Nachtwächter, der noch mit 
Laterne uygd Spieß seinen Umgang hielt und unter lautem 
Tuten 8 gewaltigen Kuhhorn die Nachtstunden abrief 
oder mit diesem Feuerlärm bliess. Aber im übrigen waren 
sie völlig unabhängig von einander; jede der beiden Ortschaften 
hatte ihren eigenen Ortsvorsteher, jede war sogar einer anderen 
Verwaltungs- und Aufsichtsbehörde unterstellt, und selbst die 
Zuzugserlaubnis („Niederlassung“) mußte erneut nachgesucht 
und ertheilt werden, wenn ein Einwohner aus Alt-Mtoabit 
nach Neu-Moabit oder umgekehrt zu verziehen gedachte. 
Alt-Moabit hatte sich aus jener alten französischen 
Kolonie entwickelt, die der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm J. 
) Spieß und Horn dieses ältesten Moabiter Nachtwächters be— 
findet sich noch heute im Besitze der Familie des damaligen Ortsvor— 
stehers Karl Matthes.
	        
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