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Am Thiergarten

Full text: Die Berlinerin / Wolff, Ulla (Public Domain)

Karl Emil Franzos 
aufweisen kann. Was endlich die Zusammensetzung 
der Gesellschaft betrifft, so verkehrt natürlich jeder— 
mann außer der eigenen Familie vor allem mit 
Seinesgleichen; bei Kommerzienrats sind die Kaufleute 
und Industriellen immer die Mehrheit; dazu der und 
jener Beamte, einige Offiziere. Und die Künstler, 
die Schriftsteller, nach denen diese Damen, wie in 
Romanen zu lesen, so eifrig jagen? Man trifft sie, 
aber nicht allzu zahlreich, denn weder jagen diese 
Kreise nach ihnen, noch lassen sich jene bekannten 
Leute, die etwas auf sich halten, erjagen. Der Ver— 
kehr zwischen dem bekannten Manne und diesen 
Häusern des Tiergarten-Viertels beruht fast immer 
auf persönlichen Beziehungen: die Frauen waren in 
der Sommerfrische beisammen und haben sich an— 
gefreundet; die Herren kennen einander aus ihren 
jungen Tagen u. s. w. Kommen sie einander näher, 
so ist dies für beide Teile fruchtbringend: jeder blickt 
in ein fremdes Leben, das er sich ganz anders gedacht 
hat. 
Ob einem die Damen oder die Herren inter— 
essanter sind, ist Geschmackssache; die Damen sind 
gebildeter, aber die Herren wissen, wenn sie wollen, 
mehr zu erzählen: hingegen ist es, glaub' ich, nicht 
Geschmackssache, daß mir die jungen Mädchen dieser 
Villen weit besser gefallen, als die jungen Herren. 
Die sind mir für Kaufmannssöhne zu schneidig; ich 
sehe nicht ein, warum sie in ein Korps treten müssen;
	        
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