Path:
Das kleine Mädchen

Full text: Die Berlinerin / Wolff, Ulla (Public Domain)

GSeorg Engel 
moralische Ähnlichkeit besteht auch zwischen beiden 
Fällen. 
Er stammelt etwas. „Guten Abend“. 
Für den Anfang hätte er auch „Guten Morgen“ 
oder „Es ssalamu alikam“, oder „God save the 
queen“ sagen können — es ist ganz gleich, nur reden 
muß er, sprechen ohne Aufhören, wie eine Maschine, 
und womöglich etwas, worüber sie lachen kann; das 
ist das ganze Geheimnis. Denn lachen wollen die 
„kleinen Mädchen“ und sich amüsieren. 
Zuvörderst beginnen sie heftig zu rennen, daß er 
kaum folgen kann: „Aber, liebes Fräulein, laufen Sie 
doch nicht so. Fürchten Sie sich denn vor mir?“ 
Keine Antwort. Da plötzlich, an einer Ecke, bleiben 
die Freundinnen stehen, beide atmen schnell, die kleine 
Blondine mißt den Verfolger von oben bis unten und 
stößt trotzig, barsch, vorwurfsvoll hervor: „Was wollen 
Sie eigentlich von uns?“ 
„Ich? — ich wollte bloß fragen, ob wir nicht heute 
Abend irgendwo gemütlich zusammen sein könnten?“ 
„Nein, ich bin heute bei meiner Tante eingeladen.“ 
Aber dabei wendet sie sich nicht ab; die beiden Mädchen 
oerharren vielmehr, lächeln sogar ein wenig, und jetzt 
beginnt der junge Mann vom Himmel zur Erde zu 
bitten, ob es nicht doch möglich wäre. Das scheint 
Eindruck zu machen, und vor allen Dingen legt sich 
jetzt die Freundin ins Mittel. Diese immer wieder 
anzutreffende Bereitwilligkeit der Freundinnen, der 
—XRR
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.