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Dramatische Werke Shakespeare

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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lich in dem Zwiegespräch mit dem VLord Oberrichter, noch 
der übermütige Falstaff aus Teil J ist, begnügt er sich 
mit kürzeren Sentenzen; die Redseligkeit ist ihm abhanden 
gekommen; selbst die Liebkosungen Dortchens machen ihn 
nicht eigentlich beredt, und seine Ansprachen an Schimm— 
lich und Bullenkalb sind Witze und Wortspiele. Die 
breite Woge des Behagens fehlt. Er ist älter und die 
Zunge ist schwerer geworden. Nach dieser Seite hin 
tritt der zweite Teil hinter den ersten zurück. Aber ganz 
abgesehen davon, daß beide Stücke in eine historisch— 
romantische und genrehaft-humoristische Hälfte sich teilen, 
läßt sich kaum behaupten, daß Falstaff der alleinige Träger 
dieser zweiten Hälfte sei. In Teil II gewiß nicht. Es 
führt deshalb irre, wenn der Witz beider Stücke lediglich 
an dieser einen Gestalt gemessen werden soll; man muß 
vielmehr den humoristischen Gesamtgehalt gegeneinander 
abwägen, und so gewogen bleibt es immerhin fraglich, 
ob nicht die Schale vielleicht zu gunsten des zweiten 
Teiles sinkt. Pistol und die Friedensrichter Stille und 
Schaal sind drei Gestalten, die dem Teil II ein sehr Er— 
hebliches an Witz und Humor zulegen. An mehr denn 
einer Stelle ziemlich ersichtlich auf Kosten Falstaffs. 
Was nun gar die historische Hälfte dieser Stücke und 
ihre Wertstellung nebeneinander angeht, so wird die 
überlegenheit des zweiten Teils nicht wohl zu bezweifeln 
sein. Die Gestalt Percys sieht sich durch die Gestalt 
Erzbischof Scroops nahezu balanciert, und was an 
Gewicht noch allenfalls fehlen mag, wird mehr als aus— 
geglichen durch die große Schlußszene des vierten Akts: 
das Hinscheiden König Heinrichs. Störend und Abzüge 
machend von dem guten Gesamtresultat wirkt nur die 
der letztgenannten unmittelbar voraufgehende Szene, wo 
die königliche Partei, der wir doch nach dem Willen des
	        
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