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Dramatische Werke Hauptmann

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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gekränkelter Realist, sondern ein stilvoller Realist, d. h. 
von Anfang bis Ende derselbe. 
So stand ich zu dem jungen Dichter und seinem 
Stück, und so gewappnet und gefeit (wie ich glaubte) 
trat ich ins Theater. Und ich bin auch in meinen 
Grundanschauungen unerschüttert geblieben, kann aber 
anderseits nicht in Abrede stellen, daß die Wirkung der 
Aufführung von der der Lektüre sehr verschieden war. 
Sie war nicht geringer, sie war nur ganz anders. Szenen, 
wie beispielsweise die, wo Loth seinem Freunde Hoffmann 
und der Tochter des Hauses sein politisches Programm 
entwickelt, die Liebesszene zwischen Loth und Helene, die 
Streitszene zwischen Loth und Hoffmann und endlich die 
große, den halben vierten Akt füllende Szene zwischen 
Loth und Dr. Schimmelpfennig, alle diese vergleichsweise 
herkömmlichen Szenen — herkömmlich in dem Sinne, 
daß in ihnen nichts geschieht oder gesagt wird, was nicht 
in jedem anderen guten Stück auch hätte getan oder 
gesagt werden können — alle diese Szenen waren von 
großer und von niemanden im Publikum beanstandeter 
Wirkung, während alle die Vorkommnisse, die dem Drama 
wohl oder übel seine bestimmte Physiognomie geben und 
so recht eigentlich das waren, wovon ich mir eine mäch— 
tige, sozusagen eine kunstrevolutionäre Wirkung ver— 
sprochen hatte, ziemlich spurlos vorübergingen. Im 
Publikum wurden dabei je nach der Varteistellung mehr 
oder weniger heftige Beifalls- oder Mißfallszeichen laut, 
ein zustimmendes oder verhöhnendes Lachen, auch wohl 
eines jener kritischen Impromptus. darin die Berliner ex— 
zellieren; von einer großen Wirkung war aber nichts 
wahrzunehmen, weder bei Freund noch Feind. Und be— 
frage ich mich, welchen Eindruck ich persönlich von den 
Szenen empfing, auf die ich, wenn ich Sportsman 
Fontane, Causerien über Theater. 20
	        
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