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Dramatische Werke Wildenbruch

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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Einzelhandlung, Sprünge, Mangel an Motivierung, ge⸗ 
schraubte Leidenschaft und falsches Pathos. Von der mit 
falschem Pathos nicht geradezu notwendig, aber doch 
immerhin meistens zusammenfallenden geschraubten Leiden— 
schaft hat auch diese neueste Wildenbruchsche Tragödie noch 
ihr gutes, um nicht zu sagen, ihr gerüttelt und geschüttelt 
Maß; aber doch ist es besser damit geworden, und was 
den Mangel an Motivierung und vor allem die Willkür— 
lichkeiten angeht, so waren sie vergleichsweise verschwindend 
und ließen jenen Hochgrad von Ungeduld nicht mehr in 
mir aufkommen, der mich sonst wohl bei Vorführung der 
Wildenbruchschen Stücke von Anfang bis Ende begleitete. 
Der „Fürst von Verona“ mutet einem nirgends, wie z. B. 
der dritte Akt der „Karolinger“, bis zum Ungeheuerlichen, 
ja bis zum grotesk Komischen gesteigerte Unglaublichkeiten 
zu, führt uns vielmehr umgekehrt im Zusammenhang 
und in richtiger Reihenfolge Geschehnisse vor, die sich, wenn 
auch nicht ebenso, denn Zeitkolorit ist keine starke Wilden— 
bruchsche Seite, so doch wenigstens ähnlich ereignet haben 
können. Eingeführt in das in Guelfen und Ghibellinen 
geteilte Verona, sehen wir den Wechselsieg der einen und 
der andern Partei, bis der ghibellinische Mastina della 
Scala den ein Jahrhundert lang gestörten Frieden der 
Stadt dadurch wieder herstellt, daß er der guelfischen 
Selvaggia von Sanbonifazio die Hand zum Bunde reicht. 
Aber nur kurzer Friede und nur kurzes Glück! Am 
Hochzeitsvorabend erneuert sich der Streit, eine Tybalt— 
Mercutio-Szene spielt, und als im selben Augenblicke die 
Meldung kommt, Konradin, der junge Hohenstaufe, steige 
nach Italien herab und hoffe die Tore Veronas offen zu 
finden, da bricht das kaum verschüttete Feuer neu hervor, 
und. Selvaggia fällt als ein Opfer wundersam ver— 
schlungener Verhältnisse. Die die Katastrophe herauf—
	        
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