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Dramatische Werke Wilbrandt

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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wünscht und verwettert haben. Mit anderen Worten: 
auch der größte Kaleidoskop-Enthusiast, wenn er den 
roten Glassplitter immer wieder und wieder erkennt, 
macht endlich Schicht und legt das Zauberpennal ermüdet 
aus der Hand. 
Steht diesem Dichter aber das Glück zur Seite, das 
virtuose Spiel seiner dichterischen Laune durch virtuose 
darstellende Künstler fortgesetzt und unterstützt zu sehen, 
so kann es sich freilich ereignen, daß der Abspannungs⸗ 
moment ausbleibt oder wenigstens weit hinausgeschoben 
und abgeschwächt wird. An solcher unterstützenden Virtuo— 
sität durch unsere darstellenden Künstler gebrach es aber. 
Es fehlte ganz und gar das Sprudelnde. Von einer 
Malerberühmtheit, der ich im Foyer begegnete, wurde mir 
zugeflüstert: „So sind wir denn doch nicht.“ Auf der Höhe 
war eigentlich nur Frau Kahle-Keßler in der Rolle 
der Frau v. Seefeld und Herr Krause als Malerfaktotum 
Ubique. Ganz verfehlt dagegen war Fräulein Barkany 
als Else Werner. Ihr ist kein Vorwurf daraus zu 
machen. Wie konnte man ihr diese Rolle geben? Sie hat 
allerdings auch ihre sentimentalen Stellen, und der Ton, 
in dem sich diese gaben, mochte hingehn, obwohl er direkt 
von der Luise Millerin herzukommen schien, aber diese 
Sentimentalitäten sind doch immer nur etwas Fremdes, 
etwas Angeflogenes in der durchaus gesunden, frischen 
und ganz auf den Humor gestellten Else Werner. Und 
nun Humor und Fräulein Barkany! Man könnte ein 
Exempel aufgeben: Wenn ein Tropfen Maurerschweiß 
einen Dukaten kostet, was kostet ein Tropfen Barkany— 
Humor? Der im Juliusturm lagernde Staatsschatz 
wäre lange nicht groß genug, den Preis für solche Rarität 
aufzubringen. 
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