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Dramatische Werke W. v. Hillern

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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Lust, alles was geschah auf's Komische hin anzusehen, 
überkam mich immer wieder und wieder; aber in dem— 
selben Augenblicke, da diese Lust sich regte, schämte sie 
sich auch und starb hin an dem dominierenden Talente 
der Verfasserin. Es war auch ein Ringen, wie vor dem 
Höchsthof; aber in diesem Ringen blieb sie die Siegerin, 
und die Macht der Poesie war stärker als das immer 
wieder sich regende kritische Bedenken. 
Von Befragen des ästhetischen Gesetzes nehm' ich 
Abstand; ich habe, wie der neuliche Volksredner, mein 
Nachschlagebuch vergessen. Nur so viel, daß ich zu diesen 
Gesetzlichkeiten stehe wie zu den Gesetzlichkeiten über— 
haupt. Ich freue mich, wenn's stimmt, und wenn wir 
d'accord sind. Es ist das immer das Bequemste; ach, 
und Bequemlichkeit ist eine so süße Sache. Wenn's aber 
nicht stimmt, und wenn wir nicht d'accord sind, nun, 
so verlaß ich mich auf mich und nicht auf das Gesetz. 
— 
Wwilbrandt. 
— 
Jugendliebe. 
31. März 1871. 
Zum ersten Male. 
Goethe sagt einmal, was frisch ist, ist auch neu, und 
diesem Ausspruche nach, den ich mir ganz zu eigen mache, 
haben wir hier nichts Altes, Abgestandenes, sondern etwas 
blitzblank Neues. Mit dieser Frische im innigsten Zu— 
sammenhang steht, oder vielleicht nur ein anderes Wort 
für sie ist die Liebenswürdigkeit dieser Wilbrandtschen 
Arbeiten. Und dies ist unendlich viel. Im Leben wie
	        
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