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Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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weder modern ist noch antik, sondern — e 
wurde, um der Welt zu zeigen, wie Hebbe 
denkt. 
Zwei Menschen, die sich lieben, wie sie sollen, 
Koönnen einander gar nicht überleben. 
Und wenn ich selbst auf fernem Schlachtfeld fiele, 
Man brauchte dir's durch Boten nicht zu melden, 
Du fühltest es sogleich, wie es geschehn, 
Und stürbest ohne Wunde mit an meiner. 
Verlach mich nicht! So ist's, so ist's! 
Allein die Menschen lieben sich nicht so. 
So läßt Hebbel den Herodes sprechen. Wundervoll, 
aber doch zugleich auch modern-gefühlvoll, und so 
charakterisiert denn diese vielleicht glänzendste Stelle des 
Stückes auch zugleich seine schwache Seite. Es springt 
hin und her; jetzt treffen Klänge unser Ohr, die etwa 
der Empfindungsweise Lenaus entsprechen, bis dann 
wieder ein Dutzend abgeschlagener Köpfe uns daran 
erinnert, daß wir im Königspalast zu Jerusalem und nicht 
im Justinus Kernerschen Äolsharfentum zu Weins- 
berg sind. Es ist ein Mischstück: Hebbel tragiert im 
Kleide des Herodes umher. Diese Verkleidung verdrießt 
um so mehr, als dieser „falsche Herodes“ gerade des einen 
entbehrt, das mit dem echten einigermaßen aussöhnen 
konnte: der wirklichen, auf Kraft und Gesundheit ruhenden 
Leidenschaft. 
Ich habe bis hierher den Grundmangel des Stückes 
zu charakterisieren gesucht; es hat aber neben diesem 
ersten, aus der Natur des Dichters hervorgegangenen und 
deshalb als unvermeidlich anzusehenden Fehler noch einen 
zweiten, der lediglich nach der formellen Seite hin liegt 
und deshalb sehr wohl hinwegzukorrigieren gewesen wäre. 
Der Aufbau, der sonst so klar und kunstvoll ist und in 
mehr als einer Beziehung als meisterhaft bezeichnet werden
	        
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