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Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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schrieben stände: „Genoveva-Mantel und Heiligenschein“. 
Alles hat den Märtyrerton, den Ton des unerschütterlichen 
Glaubensbekenntnisses: „Hier stehe ich, ich kann nicht 
anders.“ In den Szenen ersterbender Hingebung gegen 
ihren Pflegevater und späteren Gatten war es, als hört' 
ich Käthchen unterm Holunderbaum: „Ja, hoher Herr“. 
Romantik ist eine schöne Sache; wer aber bei Gerson ein 
Kleid kaufen oder bei Poppenberg zu Mittag speisen 
will, muß sich seiner Romantik wenigstens ad hoc zu 
begeben wissen. 
Das moderne Lustspiel hat sich einige neue Typen 
erobert, und mit derselben Gewißheit, wie wir einen 
Doktor und Chefredakteur erwarten dürfen, dürfen wir 
auch darauf rechnen, einem aus Asien, Amerika oder 
Australien heimkehrenden Goldonkel zu begegnen. Er 
sehnt sich nach Deutschland und — Liebe. Wenn Herrn 
Liedtcke die nicht leichte Pflicht obliegt, den immer sehr 
gesinnungstüchtigen, sehr sarkastischen und sehr encoura— 
gierten Chefredakteur nach Möglichkeit zu nuancieren, so 
gehört es zu den fast noch schwereren Obliegenheiten des 
Herrn Berndal, in die zehn, zwölf und selbst zwanzig 
Jahre fortgewesenen Johannistrieb-Oheime wechselnde 
Farben hineinzutragen. Er beginnt dabei wie billig mit 
dem Kostüm, und die melierten Touristenanzüge, wenn 
ich recht beobachtet habe, werden immer hellgrauer und 
hechtfarbener. All das sind unzweifelhaft kleine Hilfen; 
aber das Auseinanderhalten der Gestalten erscheint mir 
nichtsdestoweniger in hohem Grade bewundernswert. 
Aschenbrödel. 
5. März 1872. 
Zu den vielen traurigen Lücken meiner Bildung ge— 
hört auch die, Fräulein Buska (ach, „unsere Buska“
	        
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