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Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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wig (Chevalier d'Aubigny) trachtete, seiner Rolle jenes 
Maß von Leidenschaft zu geben, das ihr zukommt, aber 
es war die Leidenschaft eines Ferdinand von Walter, 
nicht die eines d'Aubigny. Keiner der Mitspielenden ließ 
es an Eifer und gutem Willen gebrechen, jeder indes blieb 
in den Fesseln seiner Nationalität. Man kann sagen: 
wie sich Fräulein Horn, eine übrigens sehr angenehme 
Erscheinung, in der kleinen Rolle der Mariette zu einer 
wirklichen ßlle de chambre verhielt, so verhielt sich die 
ganze Aufführung zu einer echt französischen. An dieser 
Echtheit hängt aber alles. Champagner, der nicht mehr 
schäumt, ist kein Champagner mehr. 
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—A 
—— 
Die Bekenntnisse. 
21. Mai 18738. 
Die Rolle der Julie ist eigentlich nur eine halbe 
Rolle. In dieser Hälfte ist sie wirklich Julie, in der 
anderen Hälfte Ludwig. Leutnant im soundsovielten 
Husarenregiment. Es ist ein Verkleidungsstück, wie sie 
vielleicht zu allen Zeiten, aber besonders in den Tagen 
Karoline Bauers und Charlotte v. Hagns bei 
uns so sehr im Brauche waren. Die ganze Richtung der 
damaligen Zeit — unter drei Verkleidungen waren 
wenigstens zwei Leutnants — spricht sich darin aus. 
Jetzt sind sie seltener geworden; für mein Gefühl ein 
offenbarer Fortschritt. Die Komik, die in diesen Ver— 
kleidungen steckt, ist oft ziemlich fragwürdig, die Einbuße 
aber ist gewiß. Das Beste, was ein reizendes weibliches
	        
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