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Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

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uns auch schließlich zu dem halb widerwillig, halb freudig 
gegebenen Geständnis bequemen: wenn wir das Stück 
in seiner Schönheit und Macht überhaupt wollen, so 
müssen wir auch das wollen, was uns an ihm verdroß. 
Ein Triumph der Kunst, der sich in allen Kleistschen 
Arbeiten ausspricht, in diesem „Prinzen von Homburg“ 
aber vielleicht am meisten. Die Klarheit und Konsequenz 
des Gewollten, das uns überkommende Gefühl ab— 
soluter künstlerischer Notwendigkeit entwaffnen zuletzt 
jeden Widerspruch und zwingen uns, auch das uns 
Widerstrebende — das doch seinerseits erst das eine Voll— 
kommenheit darstellende Ganze wieder zu dem macht, 
was es ist — an den Anerkenntnissen dieser Vollkommen— 
heit teilnehmen zu lassen. Gewiß wäre eine andere 
Lösung der Aufgabe nicht nur denkbar, sondern in ge— 
wissem Sinn auch wünschenswert gewesen, aber keine 
hätte vermocht, ein in sich geschlossenes, alle Dis— 
harmonien glänzender lösendes, dabei zugleich durch 
größere Kraft und Kühnheit ausgezeichnetes Kunstwerk 
herzustellen. 
D. 
22. Oktober 1889. 
Herrn Matkowskys Prinz von Homburg ist nicht nach 
meinem Geschmack, aber sein Spiel gab keine Veranlassung, 
den Applaus, der ihm zuteil wurde, mit Zeichen ent— 
schiedenen Mißfallens zu begleiten. Er spielte den Prinzen 
nicht schlechter und nicht besser, als er alle derartigen Rollen 
spielt. Seine Beziehungen zu Kunst (dem Schauspieler, 
gestorben 1839) sind intimer als zur Kunst; aber daß er 
als „Heldenspieler“ älteren Datums mit Mitteln wirkt, 
die heute nicht mehr recht gelten, darin müssen wir uns
	        
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