Path:

Full text: Causerien über Theater / Fontane, Theodor (Public Domain)

74 
Stückes, der erst in „Wallensteins Tod“ sichtbar wird, 
wird durch einen Questenberg wie dieser erheblich ge⸗ 
steigert. Er hat aber nach meinem Dafürhalten umgekehrt 
die Aufgabe, die Sache des Kaisers zu vertreten, nicht 
nur äußerlich, indem er sich einfach auf der Bühne vor 
uns seiner Mission unterzieht, sondern viel mehr innerlich, 
indem er uns, aller Wirrnisse und Menschlichkeiten un— 
erachtet, an das Recht des Kaisers glauben macht. Nur 
dadurch wird das Sittengesetz und unser Interesse ge— 
wahrt. Je würdiger, je herzbewegter, je unhofmännischer 
der Hofmann Questenberg gegeben wird, desto besser für 
die Gesamtwirkung des Stückes. 
Wallensteins Tod. 
24. November 1875. 
In guter Haltung und guter Maske, einfach, natür— 
lich und verständnisvoll gab Herr Klein den Wallen— 
stein. Er gehört einer Schule an, die alle Effekte ver— 
meidet, vielleicht mit Ausnahme des Effekts der Effekt— 
losigkeit. Der alte Schrei- und Donnerstil ist seinem 
Gegenteil gewichen. „Wozu der Lärm?“ ist Devise und 
Direktive der neueren Schauspielkunst geworden. Gewiß 
ein Fortschritt; das Ridiküle, das das gewaltsame 
Tragieren hatte, ist verschwunden, und das Erröten in die 
Seele eines Kunstberserkers hinein bleibt einem erspart. 
Aber wie ein Extrem das andere schafft, so sind wir jetzt 
in Gefahr, auf dem Gebiete des dezenten und reservierten 
Spiels zuviel zu tun. Die Tragödie ist nicht als Kon— 
versationsstück zu behandeln, und schöne Natürlichkeit, so 
hoch ich sie stelle, ist nicht zum einzigen Gesetz zu er— 
heben. Gewiß, auch Helden tragen einen Hausrock, aber
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.