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Full text: Schlüters Wirken in Petersburg / Wallé, Peter (Public Domain)

Palästen, Häusern, Akademieen usw. thätig und bediente sich 
aus Mangel an HMülfskräften beim Zeichnen der Mitarbeit des 
Capitäns P. H. Bruce. Im ganzen von schwächlicher Gesundheit, er- 
lag er der Last der allzu zahlreichen Geschäfte und starb ein Jahr 
etwa nach seiner Ankunft in Rufsland, nachdem er — wie hier schon 
bemerkt sei — noch ein Perpetuum mobile für Peter den Grofsen 
in Gang gebracht hatte (1714). 
Aus diesen wenigen Sätzen bekommen wir ganz klar das Bild 
eines regen und angestrengten Wirkens, das die geniale Kraft des 
grofsen Mannes leider in kurzer Zeit schon verzehren mulste, und 
das von selbst uns die Frage aufdrängt, an welchen Bauten jener 
Zeit Schlüter wohl einen Antheil gehabt haben kann? Bisher sind die 
darüber gemachten Vermuthungen wohl nur von deutschen Schrift- 
stellern ausgegangen, die naturgemäls die Berliner Schöpfungen ihrer 
Vorstellung zu Grunde legten und infolge dessen nach älteren Ab- 
bildungen Bauten, wie Palais Apraxin an der Newa, das stattliche 
Sommerpalais der Kaiserin an der Fontanka, Schlolßs Strelna, 
die Akademie und ähnliche Werke zunächst in Betracht zogen. 
Um den Verhältnissen jener Zeit möglichst nahe zu kommen, 
muß man sich vergegenwärtigen, dals Petersburg erst 1703 ge- 
gründet wurde, und dafs diese in einem ungünstigen wasserdurch- 
zogenen Gelände angelegte Stadt im Gegensatz zu dem im Innern 
gelegenen halborientalischen Moskau nach europäischer Art bebaut 
werden sollte. Hier sollte die Wasserpforte des gewaltigen Reiches 
nach dem Westen hin sein, weshalb zuerst die Einfahrt in die Newa 
durch die Peter Pauls-Festung gesichert und ihr gegenüber bei der 
Admiralität eine grolsartige Schiffswerft errichtet wurde. Mit der 
Machtsteilung seines Landes wuchs das Bestreben des Zaren, die Be- 
ziehungen zu den grofsen europäischen Staaten enger zu gestalten, 
sodafs er nach Errichtung des Senats (im Jahre 1711) Petersburg zu 
seiner dauernden Residenz erwählte und nun mit allen ihm zu 
Gebote stehenden Mitteln den Ausbau der Stadt in die Hand nahm. 
Auf der Suche nach einem obersten Leiter dieser mehr bau- 
künstlerischen Arbeiten scheint man schon 1712 sich zuerst mit 
Daniel Marot, dem Hofarchitekten Wilhelms IIT. von England, 
verbunden und dann erst mangels einer wirklichen Vereinbarung 
nach dem Tode Friedrichs I. mit Schlüter verhandelt zu haben.?) 
Nehmen wir vorweg, dals nach Schlüters Tode wegen unzureichen- 
der künstlerischer Befähigung des Baumeisters Tresini der talent- 
volle Architekt Leblond, ein Schüler Lenötres, aus Paris und eben- 
daher Carl Borr. Rastrelli (+ 1744) gewonnen, sowie demnächst 
Chiaveri gleichzeitig mit Michetti in Petersburg beschäftigt wurde, 
so muß man gestehen, dals Peter der Grofse mit weitem Blick und 
seltener Energie Kräfte ersten Ranges sich zu sichern bemüht war. — 
Ferner aber ist ohne weiteres anzunehmen, dafs der Monarch seiner- 
2) In einem den Nachrichten zur Baugeschichte gewidmeten Buche 
Petrows wird ein gewisser .Merault genannt, der identisch mit 
Marot sein muls. den der Zar aus Holland her persönlich kannte.
	        
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