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Full text: Schlüters Wirken in Petersburg / Wallé, Peter (Public Domain)

leicht nicht ganz mit Unrecht, obwohl der Weg von der Erfindung 
bis zur Ausführung ein sehr weiter ist, und Alles dafür spricht, 
dafs Peter der Große zu Schlüters Zeit für Wissenschaft und Kunst 
eine gemeinsame Akademie haben wollte. Auffallend ist es aber, 
dafs Schumacher die ersten am Bau betheiligten ausführenden 
Architekten Mattarnovy, Korbel (Kärbel), Gaetani (Chiaveri) und 
Semzoff nennt, dabei aber den Urheber des grofsen Planes nicht 
kennt, als den man Mattarnovy (+ 1719) nicht gut annehmen kann. 
Die jetzige Kunstakademie in Petersburg, die u. a. eine Zeich- 
nung Fr. Blondels für eine Akademie in Moskau (vom Jahre 1756) 
bewahrt, kann hier nicht in Betracht kommen, da sie erst 1765 
A. F. Kokorinoff nach de la Mottes Plan ausführte. Aufserdem wird 
bei H. v. Reimers noch eine Seeakademie genannt, die sich — 
ohne sonstige nähere Angaben — auf einem älteren Plane Petersburgs 
von 1716 nahe der Admiralität angegeben findet und für das im 
Jahre 1715 gestiftete Seecadettencorps bestimmt war. Inwieweit dafür 
sine Beziehung zu Schlüter gewonnen werden kann, wird von dem 
Auffinden genauerer Nachrichten abhängig gemacht werden müssen. 
Wir kommen zu den Palästen. Wie der Zustand selbst bei 
gröfseren Ausführungen war, geht daraus hervor, dafs, obwohl größere 
steinerne Paläste, wie solche für Menschikoff, Golowkin und Gargarin 
nach Reimers Angabe in „Petersburg am Ende seines ersten Jahr- 
hunderts“ (1805) schon bestanden haben, Peter der Grofse noch 1714 
ein Haus in Fachwerk nach preufsischer Art selbst ausführen liefs, 
das für die Häuser der Gesandten, wie für die Generale und Bojaren 
als Muster dienen sollte! So ist anzunehmen, dafs ein grofser 
Theil der früheren Anlagen aus Mangel an besserem Baustoff in der 
Hauptsache aus Holz oder Fachwerk bestanden hat und sich vielleicht 
an vorhandene Palastbauten in Moskau anlehnte.*) Das ist wohl zu 
beachten bei Beurtheilung alter Pläne von 1716, auf denen über 
20 gröfsere Palais und Hotels ausdrücklich mit Namen angeführt 
werden. Es gehören dazu: Sommer- und Winterpalais des Kaisers 
‘beide an der Newa), Schlofs Katharinenhof, Sommerpalast der Kaiserin 
an der Fontanka, Palais des Thronfolgers und seiner Gemahlin, Palais 
des Fürsten Menschikoff, die Hotels des Generals Bruce, des Marschalls 
Solawioff, des Feldmarschalls Scheremetjiew und des Generalmajors 
du Pres, die meist an der Newa, nahe der Fontanka oder auf der 
sogenannten Menschikoffschen Insel (j. Wassili Ostrow) lagen. Bei 
dem auffälligen Mangel ausführlicherer Nachrichten ist es erfreulich, 
dafs der russische Historiker Golikow in seinem Werke „Die Thaten 
Peters des Grofsen“ (1788) uns als Beweis der Sorge des Zaren für 
alle Angelegenheiten inmitten seiner Arbeit zufällig ein Schreiben 
4) Der Mangel an Baustoffen war zeitweise so grofs, dafs alle 
anderen Bauten aufserhalb Petersburgs ganz untersagt wurden, und 
jedes in die Stadt kommende Fahrzeug 3 bis 20 Steine für Haus- 
und Brückenbauten abliefern mufste.‘ (Reim.) 1717 wurden die Orna- 
mente am Sommerpalaste der Kaiserin an der Fontanka aus ge- 
schnitztem Holze hergestellt. das man vergoldete. (Petr.)
	        
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