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Versuche über Eigenschaften und Wirkungen des Schlickes

Full text: Landwirtschaftliche Versuche auf den Rieselgütern der Stadt Berlin im Jahre 1904 / Backhaus, Alexander (Public Domain)

Versuche über Eigenschaften und Wirkungen des Schlickes. 
In dem Verhalten der Gefäße, welche Schlick in Schichten, teils flacher 
teils tiefer, erhielten, finden diese Annahmen Bestätigung. Bei den Töpfen; 
die Schlick in gleicher Menge, aber 7 cm tief als Schicht erhielten, hatten 
die Pflanzen bei der Keimung und in der ersten Entwicklung nichts von 
Wassermangel und mechanischer Hemmung. durch Schlickteile zu leiden. 
Als die Wurzeln der nunmehr etwas herangewachsenen Pflanzen die Schlick- 
schicht erreichten, waren sie schon stärker, und aufserdem hatte die in 7 cm 
Tiefe liegende Schlickmasse nicht so Gelegenheit, zu Störungen der Wasser- 
zirkulation Veranlassung zu geben; sie war tiefer gelegen und daher feucht. 
So konnten die Wurzeln, wenn auch unter Schädigung der Pflanzen, durch- 
brechen. 
Noch günstiger waren die Verhältnisse naturgemäfs bei dem 18 cm 
tief untergebrachten Schlick, den die Pflanzen erst nach kräftiger Aus- 
bildung erreichten. 
Es ist hiernach darauf hinzuweisen, dafs als wirksames Gegenmittel 
gegen die Verschlickung wahrscheinlich eine tiefe, sorgfältige Pflug- 
kultur wirken dürfte, die den Schlick in gröfsere Tiefen bringt. Eine 
Beobachtung auf dem Rieselfeld scheint diese Annahme zu bestätigen. 
Die Verschlickung ist stets in den Ecken der Tafeln am schlimmsten. In 
die Ecken hommen aber auch die Pflüge am schlechtesten, bezw. arbeiten 
dort am wenigsten tief. Dafs in den Ecken der meiste Schlick zusammen- 
käme, läfst sich kaum behaupten, da sie doch bei der Aptierung eben 
gelegt werden und die. spätere Bearbeitung mit ihren Furchen die Eeken 
kaum berührt, 
Weitere Beobachtungen über diese Frage dürften zweckmäfsig mit 
Pflug- und Pflugtiefeversuchen vereinigt werden. 
Wenn uns diese Frage zu Folgerungen noch nicht genügend weit geklärt 
erscheint, so sei doch bezüglich des Stickstoffmangels auf dem Rieselfeld bereits 
jetzt darauf hingewiesen, dafs zweifellos bei sehnell wachsenden und stick- 
stoffgierigen Pflanzen namentlich in der Jugend auch im Grofsanbau Fälle 
vorkommen dürften, in denen die Pflanzen zeitweise an leicht löslichem 
Stickstoff Mangel leiden. Dies dürfte besonders für Ackergewächse in 
Frage kommen, die überhaupt nicht oder in ihrer Jugend nicht berieselt 
werden. So Runkelrüben in erster Linie, dann Sommerweizen, ferner Raps, 
Rübsen und Winterweizen, der schlecht durch den Winter kam, Sommer- 
gerste, der etwas löslicher Stickstoff kaum schaden kann, da sie Brau- 
zwecken ja doch nicht dienen wird; Möhren, Hafer wohl am wenigsten; 
Roggen, Kartoffeln nicht. 
Eine gute Bodenbearbeitung dürfte das beste Mittel zur Nitrifizierung 
und Beschaffung des Stickstoffes sein. Es erscheint aber auch nicht aus- 
sichtslos, mit genannten Pflanzen, besonders aber mit Runkeln, Raps, Rübsen 
und Weizen, vielleicht auch Möhren, Versuche über den Nutzen kleiner 
Chilisalpeterkopfdüngungen anzustellen, allerdings nur im Frühjahr, Die 
Runkelrüben namentlich zeigen in ihrer Jugendentwicklung auf dem Riesel- 
feld oft Wachstumsstillstandperioden , die durch Gaben von 25—50 Pfund 
Chilisalpeter pro Morgen, selbstverständlich nur bei günstiger feuchter
	        
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