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Full text: Die Städtische Taubstummenschule in Berlin / Gutzmann, Albert (Public Domain)

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hat gegenüber der Thatsache, dass die noch nicht ausgebildeten 
Taubstummen im allgemeinen nicht annähernd jene Lungen- und 
Atmungskraft zeigen, wie normale Kinder unter gleichen sozialen 
Verhältnissen, im Jahre 1893 in seiner auf Veranlassung des 
Departements des Innern von Washington von ihm geschriebenen 
Arbeit „Die physische Erziehung der Taubstummen‘‘ seine an 
turnerisch ausgebildeten Taubstummen vorgenommenen Messungen 
bekannt gegeben, die beweisen, dass das Resultat jener Ausbildung 
für die Lungenkapazität ein ganz vorzügliches ist. 
Wenn auch eigentliche Krankheiten der Kinder nicht die 
Initiative der Schule, des Externats, veranlassen können, so hat 
die Anstaltsleitung dagegen doch stets zum Wohle der Kinder die 
notwendigen hygienischen und spezialärztlichen Maassnahmen im 
Auge behalten und sie kurzerhand veranlasst, 
Im vorigen Jahre wurde eine von der Schule als notwendig 
arachtete gründliche Augenuntersuchung bei sämtlichen 
Schülern vorgenommen. Es liegt nahe, dass man bei taubstummen 
Kindern mehr an den OÖhrenarzt als an den Augenarzt denkt. 
Man vergisst dabei, dass ersterer mit seiner Kunst bei diesen 
Unglücklichen im ganzen zu Ende ist und vor einer unabänder- 
lichen Thatsache steht, während der Augenarzt durch Massnahmen 
zur Erhaltung bezw. Verbesserung der Sehkraft des Auges dem 
Taubstummen einen sehr schätzenswerten HKrsatz für das fehlende 
Gehör sichert, ja, ihm den einzigen Sinn erhalten und behüten 
helfen kann, der seine selbständige Erwerbsfähigkeit noch er- 
möglicht und ihm ein gewisses Lebensglück noch immerhin 
yewährleistet. 
Die von der Anstaltsleitung veranlasste Untersuchung der 
Augen sämtlicher Kinder, welcher sich der hiesige Augenarzt 
Dr. Erich Maschke in uneigennützigster und sorgfältigster 
Weise unterzog, zeigte auffallend .viel unregelmässigen Bau (sog. 
Astigmatismus) und zwar in 24 pCt. der untersuchten Augen. 
5 pCt. etwa hatten normales Sehvermögen, 18 pCt. waren 
schwachsichtig. Merkwürdig wenig war Kurzsichtig- 
keit vertreten: 7,15 pOt.; davon normales Sehvermögen 2,15 pCt,, 
schwachsichtig 5 pCt. Fernsichtig sind 8 pCt., davon 6,4 pCt. 
mit normalem Sehvermögen, 1,6 pCt. schwachsichtig. Der Rest 
war übersichtig, und zwar haben 42 pCt. normales Sehvermögen, 
17 pCt. sind schwachsichtig. Nur 56,55 pCt, aller Augen 
hatten normales Sehvermögen, selbst nach Korrektur 
durch Gläser. 30 pCt. der Kinder haben ungleiche Sehschärfe 
auf beiden Augen; 13 pCt. verschiedenen Brechzustand (Refraktion)
	        
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