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III. Die gegenwärtige Lage der Berliner Bierverleger

Full text: Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts / Stresemann, Gustav (Public Domain)

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geliefert. Schliesslich sei noch erwähnt, dass auch die Konditoreien 
für den Absatz von Weiss- und Grätzer Bier in manchen Fällen 
in Betracht kommen, bei ihnen sind die gerügten Zahlungsverhältnisse 
der Cafebesitzer jedoch nicht Regel. 
Einnahmen und Ausgaben im Bierverlage. 
A. Einnahmen. 
Die Absatzpreıise der Biere. Die Preise sind verschieden, je 
nachdem es sich um Privat- oder Geschäftskunden handelt. So lange 
die Brauereien den Flaschenbiervertrieb nicht hatten, waren die Preise 
vom Standpunkt der Bierverleger aus als sehr angemessene zu be- 
zeichnen. Die Konkurrenz der Berufsgenossen war nicht allzu 
drückend, und da der Markt so gross war, dass alle genügend 
Absatz fanden, so hielten sie sich auf einer gewissen herkömmlichen 
Höhe, von der nicht abgewichen wurde. Zum Teil sind diese Ver- 
hältnısse noch in dem Handel mit bayrischem Bier, soweit es sich 
um den Absatz an Privatkundschaft handelt, dieselben geblieben. 
Wenn es den Brauereien gelungen ist, fast den gesamten Flaschen- 
bierhandel in Lagerbier in ihre IIände zu bekommen, so haben sie 
dieses Resultat, soweit es sich um den Absatz an Privatkunden 
handelt, nicht durch Preisdrückerei erzielt. Die Bierverleger gaben 
an Privatkunden 32 Flaschen Lagerbier für 3 M. und mehr boten 
die Brauereien auch nicht. Welche Umstände den Brauereien ın 
diesem Kampfe um die Privatkundschaft den Sieg verschafften, wurde 
schon früher dargelegt. Ebenso ist andererseits auch der Preis- 
schleuderei Erwähnung gethan worden, welche deimngegenüber in den 
Lieferungen an Fabriken, Kantinen etc. zu Tage trat. So berichtet 
sine Brauerei auf eine von mir gestellte Anfrage, dass sie an Wieder- 
verkäufer und Kantinen 40 Flaschen von %8s Liter Inhalt für 3 M. 
abgäbe, beklagt sich aber gleichzeitig, dass 'andere Brauereien 
42—50 Flaschen für 3 M. lieferten. Zum Vergleich sei angeführt, 
dass die Bierverleger früher 36 Flaschen für 3 M. lieferten. Nun 
stellt sich der Preis eines Hektoliters Lagerbier in Berlin auf durch- 
schnittlich 16 M. Gäben die Bierverleger 40 (*%s Ltr.) Flaschen für 
3 M.. so blieben ihnen bei dieser Lieferung 68 Pf. Bruttogewinn.
	        
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