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II. Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts II. Periode (1868 bis zur Gegenwart)

Full text: Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts / Stresemann, Gustav (Public Domain)

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Zu dieser gewaltigen Zahl von beinahe 600 000 hl ist noch der 
Absatz derjenigen Brauereien hinzuzurechnen, welche dem Verbande 
nicht angehören, und deshalb in der Tabelle nicht angeführt sind. Es 
sind dies u. a. die Vereinigten Werder’schen Brauereien, welche ihren 
Hauptabsatz in Berlin haben, sowie die grösste der bestehenden 
bayrischen Brauereien, soweit diese noch in Privathänden sind, die 
von Julius Bötzow. Der Absatz von Flaschenbier der letzten Brauerei 
ist allein auf ca. 50—60 000 hl Jährlich zu schätzen. Dazu kommen 
nun noch die Generalvertreter auswärtiger Brauereien, welche ebenfalls 
einen schwunghaften Flaschenbierhandel treiben, wie die Haasebrauerei 
in Breslau und die Radeberger Exportbrauerei. Der Gesamiumsatz 
von Flaschenbier seitens der Berliner Brauereien ist somit auf 
ca. 7— 800009 hl jährlich zu schätzen. Berechnet man, dass ein Bier- 
verleger bei einem jährlichen Absatz von 800 — 1000 hl schon verhältnis- 
mässig gut bestehen kann, so ist ersichtlich, wie viele solcher Betriebe 
ein einziges Grossunternehmen, wie die Schultheissbrauerei, überflüssig 
macht. 
Die Berliner Weissbierbrauereien haben in ihrer Mehrzahl 
aus den Gründen, die auch ihrer allgemeinen Entwicklung zu Gross- 
unternehmen entgegenstanden, die Uebernahme des Flaschenbier- 
vertriebes abgelehnt. Einige, die es versucht hatten, den Flaschenbier- 
vertrieb in grösseren? Massstabe in eigene Regie zu übernehmen, 
wurden durch einen Boykott der Bierverleger zur Aufgabe desselben 
gezwungen. Der Boykott liess sich in diesem Falle durchführen, weil 
die betreffenden Brauereien den Bierverlegern nicht, wie die bayrischen 
Brauereien als eine geschlossene Macht gegenübertraten, sondern 
vereinzelt dastanden und zudem auch einzeln nicht über ein derartiges 
Kapital verfügten, wie jene. Von den grösseren Brauereien betreiben 
nur zwei den Selbstabzug und Vertrieb von Flaschenbier, nämlich die 
Weissbierbrauerei vorm. Albert Bier, und die vor kurzem in eine 
Aktiengesellschaft umgewandelte Brauerei von Gebhardt. Die Bier’sche 
Brauerei begann mit dem Vertrieb von Flaschenbier im Jahre 1890, 
ihr jetziger Absatz beziffert sich auf ca. 15 000 hl, der Absatz der 
Gebhardt’schen Brauerei soll etwa 30000 hl betragen. Die Kund- 
schaft der letzteren Brauerei setzt sich überhaupt zum grössten Teile 
aus Abnehmern von Flaschenbier zusammen, wenigstens wurde der 
Brauereibesitzer Gebhardt früher von den Berliner Bierverlegern
	        
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