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Full text: Der Berliner Lehrerverein / Pautsch, Otto (Public Domain)

24.6 
Auf dem politischen und sozialen Gebiete haben unser? 
gesetzgebenden Faktoren den Anforderungen der Zeit Rechnung 
getragen. Aber der Fortschritt kann hier erst als gesichert 
angesehen werden, wenn er von einem gesunden System de 
Volkserziehung getragen wird. Dieses aufbauen zu helfen 
soll die Aufgabe unserer „Pädagogischen Zeitung“ sein. SI 
geht zunächst aus Lehrerkreisen hervor, ohne für diese allelP 
bestimmt zu sein. Sie will ein Organ sein für alle, welch® 
mit ihr die Überzeugung haben, daß die Pädagogen der 
Schule und die Pädagogen des Volkes einander bedürfen, um 
die Erfolge ihrer Bestrebungen zu sichern. 
Die „Berliner Pädagogische Zeitung“ will die Verbindung 
zwischen der Schule und dem Leben unterhalten, indem 5! 
die Frage der Volksbildung ebensowohl vom rein pädagogische: 
wie vom allgemeinen Standpunkte des dabei interessierte: 
Publikums behandelt. Sie wird es sich angelegen sein lasseB. 
die Lethargie der Massen hüben und drüben zu brechen, um 
für Schule und Lehrer eine würdige Stellung zu erringen.“ ..* 
Wie diese Sätze beweisen, entging Robert Gohr gleich ZU 
Anfang der Gefahr, die Aufgabe der „Pädagogischen Zeitung 
ausschließlich oder auch nur vorwiegend in der Vertretung der 
Standesinteressen und der Erörterung rein lokaler Schulfragen zU 
erblicken. Ihn leitete bei seiner Unternehmung der große Gedank® 
der Volkserziehung. Während die herrschende pädagogische Doktrin 
die Schule zu isolieren bemüht war, erkannte er die lebendigen 
Zusammenhänge, in die hinein Schule und Lehrer gestellt werden 
müssen, wenn sie zu voller Wirksamkeit gelangen sollen, und €! 
hat sein redlich Teil dazu beigetragen, diesen Gedanken in die 
Tat umzusetzen. Bei allen seinen Fehlern war er ein Mann, der 
zu begeistern verstand, für die damalige Zeit die geeignete Person: 
erfüllt von allerhand Plänen und Ideen, die er in zündender Weise 
zu vertreten wußte. Ihm zur Seite standen eine große Zahl gleich: 
gesinnter Mitarbeiter, u. a. Buchwitz, Clausnitzer und Rapmund: 
die alle mit erhebender Frische und seltenem Freimut für die 
idealen und materiellen Forderungen der Lehrerschaft eintraten. 
Daß sie so frank und frei hervortreten konnten, lag begründet im 
der damaligen Zeitrichtung. Es war eben eine Zeit des Kampfes 
und der Gärung auf allen Gebieten und die Zeit einer liberalen 
Regierung. 
Man sollte nun meinen, daß die trefflich geleitete Zeitung in 
den Lehrerkreisen großen Beifall und tatkräftige Unterstützung 
hätte finden müssen. An warmer Zustimmung hat es zwar nicht 
gefehlt. Aber nur vereinzelt wagte man, die Zeitung durch 
Abonnement zu unterstützen. Selbst‘ ein Teil der Berliner Lehrer- 
schaft verhielt sich ihr gegenüber ablehnend, so daß das Schicksal 
des Unternehmens besiegelt schien. Eine Reihe opferwilliger 
Kollegen abonnierte auf 3, 5, ja in einzelnen Fällen’auf 10 Exemplare. 
um die Zeitung zu halten. Es war umsonst. Redakteur und 
Verleger kamen trotz aller Bemühungen nicht auf die Kosten und 
mußten nach einigen Jahren vergeblicher Arbeit erklären, die 
Zeitung mit dem Schlusse des zweiten Vierteljahres 1875 eingehen 
zu lassen.
	        
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