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XI. Im August vor fünfundzwanzig Jahren. (1901)

Full text: Aus jungen und alten Tagen / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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Menge auf, und des Begrüßens und Begrüßtwerdens, des 
Fragens: „Sie auch hier?“ mit dem Nachsatze: „Na natür—⸗ 
lich“ war kein Ende. Da thronte, von einer Korona ver— 
ehrender Männer und Frauen umgeben, Franz Liszt im 
schwarzen Abbatekostüm, dort Adolf Menzel, der bereits den 
Proben beigewohnt und viel stizziert hatte, mit seinem 
Schwager, Musikdirektor Krigar, einem der schneidigsten 
Wagnerstreiter, und dessen Gattin, dort Albert Wolff vom 
Pariser „Figaro“, der ärgste Zweifler und beißendste Spötter. 
Da trat die hohe, mächtige Gestalt des Herrn v. Keudell, des 
deutschen Botschafters zu Rom, der ehemaligen sogenannten 
„rechten Hand Bismarcks“, dem der musikalisch eminent be— 
gabte Diplomat oft manche trübe Wolke, wie David dem 
König Saul, mit seinem meisterhaften „Saitenspiel“ von der 
Stirne verscheucht hatte, in den Saal. Mit dem Botschafter 
die desto kleinere, verkümmerte Figur des Herrn v. Obernitz, 
dessen verwachsener Körper der Wohnsitz des feinsten, graziösen 
und von hoher, reiner Kunstbegeisterung durchglühten Geistes, 
des zartesten, liebreichsten Gemütes war, und Ehlert, der 
nervöseste aller nervösen Musiker und Musikschriftsteller, ge— 
nannt „die angeblätterte Seele“; da saß Carl Frenzel mit 
dem Berliner Bankier Perl und dessen geistreicher Gattin 
Margarethe, — jenem Kunstfreunde, zu dessen höchsten Lebens⸗ 
wonnen, wie er versicherte, das Lesen in der Partitur von 
„Tristan und Isolde“ und in seiner Elzevirausgabe des Horaz 
gehörte; Kahle und seine liebenswürdige Frau und Kunst— 
genossin Frau Keßler-Kahle; Schembera, der schöne, bärtige, 
löwenmähnige Wiener Journalist, ein so leidenschaftlich be— 
geisterter Bekenner und literarischer Streiter für Wagners 
Sache wie nur Ernst Dohm und die Brüder Georg und 
Robert Davidsohn (vom „Berliner Börsen-Courier“), die 
natürlich hier nicht fehlen durften; die Musikdirektoren Robert 
Radecke von Berlin und Bernhard Scholz von Breslau, dessen
	        
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