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IV. Hochsommertage in Süditalien und Sizilien. (1874)

Full text: Aus jungen und alten Tagen / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

zwischen den Ruderflotten von Karthago und Syrakus tobte; 
oder mit seinem Homer im Kopf und Herzen jene stattlichen 
Felsbrocken von ca. 200 Fuß Höhe, welche der arme betrogene 
Polyphem vergebens nach dem entronnenen, dem schlimmen, 
schlauen „Niemand“-Odysseus geschleudert; die sieben „d'Aci— 
Felsen“ oder Inseln dort unten im Meer, an deren kristallen— 
reichem Basalt mit seinem geologischen Hammer zu klopfen 
es Goethe in Catania so mächtig gereizt hatte. 
Aus der Ebene an der schönen Hafenbucht heben sich die 
Kuppeln und Türme des frommen Catania — es zählt 116 
Kirchen bei 69000 Einwohnern. Dort machte ich Halt, um 
der „Atnafrage“ näherzutreten. Will man ihn besteigen, so 
muß es von hier aus über Ricolosi geschehen. Aber soll ich's 
überhaupt? Über die Aschenkegel hingen die Wolken herein; 
in keinem Hotel Catanias ist ein einziger um des Reisens willen 
Reisender zu erkundigen in dieser unmöglichen Saison: und 
nun gar erst ein Ätnalustiger! Und allein für seine eine ein⸗ 
same Person das ganze schwere Aufgebot von Maultieren, 
Führern, Vorräten mobil machen, um möglicherweise oben 
nichts als ein dichtes Wolkenmeer als Lohn neunstündiger 
Plagen zu haben? Das gewichtigste Bedenken blieb noch immer 
das: Ist es möglich, morgen, Sonntag früh, zur Besteigung 
abzufahren und doch Montag zum 3 Uhr-Dampfer in Messina 
zu sein und dazwischen wenigstens ein bis zwei Stunden für 
Taormina zu gewinnen? Die Frage wurde mir unbedingt 
verneint. Und somit vom römischen Aufenthalt noch mindestens 
drei Tage zu streichen, konnte ich mich wie um Syrakusas 
auch um des Ätna willen nicht entschließen. Abends war ich 
mit mir im reinen: um diesen Preis — nein. Morgen Vor⸗ 
mittag kehrst du um nach Taormina. 
Die Ätnastadt Catania ist ein in vieler Hinsicht höchst 
merkwürdiges und originelles Wesen, das Besuch und Aufent⸗ 
halt überraschend lohnt. In der vornehm-anständigen Anlage
	        
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