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IV. Hochsommertage in Süditalien und Sizilien. (1874)

Full text: Aus jungen und alten Tagen / Pietsch, Ludwig (Public Domain)

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eng eingeschnürten Hälschen quillt dann unvermittelt plötzlich 
der riesige Wulst des Kapitäls heraus. Eine enorme Kluft 
trennt das hohe und sichere Kunstgefühl der Epoche und der 
Meister, welche den mittleren Tempel erzeugten, von dem in 
diesem hier bekundeten. 
Wir suchten noch einmal eine möglichst gute Gesamt— 
übersicht der ganzen Tempelgruppe zu gewinnen, indem wir 
auf den Trümmern der südlichen, breiten, alten Stadtmauer 
nach Osten hin gingen, wo die Terrasse eines Taubenturms 
einen günstigen Blick darauf gewährt. Da hat man ein 
breites Stück Meer als letzten Hintergrund; aber die Tempel 
selbst sinken doch nur noch mehr in die Tiefe hinein und 
verlieren entschieden an Großartigkeit der Erscheinung. 
Nach wiederholten Durchmusterungen nahmen wir Ab— 
schied von ihnen, fuhren davon auf Eboli zu und kamen eben 
noch undurchnäßt von dem schon wieder im Gebirge nieder— 
strömenden Regen dort an, ohne daß uns einer der Herren 
Briganten auch nur einer Begegnung gewürdigt hätte. Während 
der Vesuv mit seiner Rauchwolke wie eine feste, blaudunkle 
Masse vor dem glühenden Goldschein des Abendhimmels stand, 
dessen Abglanz alle Waldhöhen ringsum und das sie um— 
wallende Nebelgewölk in tiefe Rosenglut tauchte, trug uns 
der Bahnzug durch das Sarnotal und zum stillen, lieben 
Pompeji. Die Folgen der massenhaft eingesogenen Malaria 
aber wollen auch heute so wenig erscheinen, als der „edle 
Räuber“ gestern! 
* 
oe! 
3. In Palermo. 
Schwer genug ist es mir geworden, von Neapel zu scheiden, 
so schwer, wie das Scheiden von einer Stadt, in welcher man
	        
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