im Mai d. J. mit der Königl. Regierung in Potsdam über diese Angelegenheit
in Unterhandlung. Hierbei gzeigte es sich, daß die Eristenz der jungen, soeben
begründeten Anstalt noch keineswegs als gesichert zu betrachten war. Die
Königl. Regierung, die von Anfang an der Errichtung einer höheren Schule
in Spandau abgeneigt gewesen war, hatte nur widerwillig und versuchsweise
ihre Genehmigung zu dem Reorganisationsplan gegeben.t) Auch jetzt erteilte
sie zwar auf das Gesuch die Erlaubnis zur Errichtung der Tertia, konnte sich
aber nicht enthalten, von neuem ihre Bedenken gegen den ganzen Schulplan
der Spandauer Stadtbehörden geltend zu machen. Vor allem machte sie darauf
aufmerksam, daß auch nach der Vervollständigung der Schule durch die Tertia
und der förmlichen Anerkennung der Anstalt als Progymnasium die abgehenden
Schüler keineswegs ohne besondere Prüfung bei der Departements-Prüfungs—
kommission die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erhalten
würden.
Dieses Schreiben der Reglerung machte den Magistrat bedenklich, so
daß er die Anstellung eines neuen Lehrers für die zu errichtende Tertia vor⸗
läufig aussetzte und den Rektor Gädke zu einem Gutachten über die geäußerten
Bedenken der Regierung aufforderte. Der Rektor wies in seinem Gutachten
nach, daß die Neugestaltung der Spandauer Stadtschule unter dem allseitigen
Einverständnis der Kommunal- und Zentralbehörden erfolgt sei und die nun—
mehrige Errichtung der Tertia nur als eine einfache Konsequenz alles bis dahin
Geschehenen anzusehen sei; auch sei der Zeitraum eines halben Jahres unmöglich
als ausreichend zu betrachten, um über den dauernden Erfolg der neuen Ein—
richtung ein sicheres Urteil zu gewinnen. Hinsichtlich der Berechtigung zum
einjährig-freiwilligen Militärdienst berief sich der Rektor auf die Zusicherung,
die ihm von dem Dezernenten des Unterrichts-Ministeriums, dem Geheimen
Rat Dr. Wiese, gemacht worden sei.
Dieses Gutachten zerstreute die Bedenken, welche das Schreiben der
— Regierung bei dem Magistrat erregt hatte, so daß man mit der Er—
richtung der Tertia zu Michaelis 1854 Ernst machte; mit 14 Schülern, welche
aus der Quarta versetzt worden waren, konnte die Tertia eröffnet werden.
Doch reichte nun die Zeit nicht mehr aus, für die neu fundierte Lehrerstelle
einen Lehrer zu gewinnen. Deshalb mußte der Kandidat Dr. Zimmermann,
der seit Neujahr 1854 den kranken Konrektor Ebert vertreten hatte und durch
dessen Amtsankritt —A——
Erst zu Ostern 1855 wurde die Stelle definitiv durch den bisherigen Hilfslehrer
8 Gymnasium zu Stendal Schumann besetzt, der als 2. ordentlicher Lehrer
in die Anstalt eintrat, während der Kandidat Dr. Zimmermann an das
Gymnafium zu Stendal überging.
) Veral. Die Große Stadtschule S. 194.