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II. Reife

Full text: Das Werk Adolf Menzels / Jordan, Max (Public Domain)

REIFE 
sammelte sich in den Mappen des 
Künstlers ein außerordentlicher 
Schatz von Studien auf, der sich 
in der Folgezeit noch wesentlich 
vermehrt hat.*) Oft genügte ihm, 
Selbst bei unscheinbaren Gegen- 
Ständen, die einfache Detailzeich- 
aung nicht; er dreht das Objekt 
nach verschiedenen Seiten, memo- 
riert gleichsam mit dem Bleistift 
in der Hand sein volles Bild im 
Raume. So hat er z. B. die Büste 
Voltaires rundum, sowie von oben 
und von unten gezeichnet. 
Vom Malen war zunächst 
keine Rede mehr. Die neue Auf- 
gabe bestimmte ihn, alle älteren 
Arbeiten oder Bestellungen vor- 
erst aufzugeben. 
Das Friedrichswerk wurde 
lieferungsweise ausgegeben und lag im Jahre 1842 bereits abgeschlossen vor. Menzel mußte 
deshalb die Illustrationen für die ersten Lieferungen in Angriff nehmen, ehe er die volle 
Herrschaft über seinen Stoff erlangt hatte. So ist denn auch der Kunstcharakter der älteren 
Darstellungen noch nicht so entwickelt wie der der späteren; die früheren gemahnen hier 
ınd da noch an die damalige französische Illustrationsweise. Auch ist der ornamentale Apparat 
der Rokokokunst in den älteren Stöcken noch nicht bewältigt. Vor allem aber wächst im 
Laufe der Arbeit Menzels Verständnis der eigenartigen Behandlung der Zeichnung für den 
Holzschnitt wie die Geschicklichkeit seiner Xylographen in überraschender Weise. 
Dem Inhalt nach geben die Darstellungen zumeist bestimmte Momente der Erzählung 
wieder, aber der Maler begnügt sich nicht mit dieser zweiten Rolle, sondern führt gelegentlich 
in den Illustrationen das im Text nur Angedeutete weiter aus. So spricht Kugler z. B. 
nur flüchtig von dem Besuche, welchen Friedrich im Jahre 1770 dem berüchtigten Sonder- 
‚ing Grafen Hoditz auf dessen Gut Roßwalde in Mähren ‚abstattete. Menzel zeichnet 
dazu in phantastischer Gartenarchitektur einen Weiher unter beschnittenen Taxusbäumen, 
an dessen Ufer ein Meerweibchen mit einem vor ihr stehenden männlichen Nix in Unter- 
haltung begriffen ist. Aber Gebärden und Kostüm beider Fabelwesen zeigen sofort, daß 
es sich hier um eine barocke Maskerade handelt; und in Anlehnung an ergötzliche Erzäh- 
lungen von Zeitgenossen über Roßwalder Vorkommnisse schimpft denn auch, wie es scheint, 
der biedere frierende 
Bauer-Fisch weidlich 
mit seiner Gefährtin 
über die tollen Einfälle 
ihres gemeinsamen 
Herrn und über das im 
mährischen Klima so 
unzulängliche Kostüm. 
Auch der didak- 
tisch moralisierende 
HOGNETTE AUS DEN WERKEN FRIEDRICHS DES GROSSEN 
*) Diese gesamten 
erhaltenen Studien sind 
Eigentum der National- 
galerie geworden.
	        
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